Bővebb ismertető
VORWORTJohann Jacobys Name ist unlösbar mit der Geschichte der deutschen Demokratie verknüpft. Immer bereit, für Recht und Volkswohl sein Leben einzusetzen, nimmt er unter den Freiheitskämpfern einen hervorragenden Platz ein. Und dennoch blieb sein Briefwechsel bis heute unveröffentlicht. Die vorliegende Ausgabe will diese Lücke in der politischen und sozialen Geschichtsforschung nach Möglichkeit schließen.Die Quellenlage ist keineswegs günstig. Johann Jacoby wurde am i. Mai 1805 in Königsberg geboren. Er verbrachte fast sein ganzes Leben in der Vaterstadt, wo er auch am 6. März 1877 verschied. Zum Testamentsvollstrecker hatte er seinen Gesinnungsgenossen Guido Weiß bestimmt, den radikalen Demokraten, der 1867 bis 1871 das Tageblatt Die Zukunft und 1873 bis 1879 die Wochenschrift Die Wage herausgab. So gelangte Weiß in den Besitz des Nachlasses, den ihm Jacoby in der Erwartung übertrug, er werde seine Biographie schreiben. Der hervorragende Publizist und Essayist Weiß veröffentlichte aber kein einziges Buch, und zu der von ihm beabsichtigten Jacoby-Bio-graphie ist es nie gekommen. Als er 1899 starb, stellten seine Erben den Jacoby-Nachlaß unter die Obhut des von der Königsberger Stadtbibliothek verwalteten Stadtarchivs1). Dort ruhte jahrzehntelang das reiche Material, das vierundzwanzig Kästen in Folio und in Quarto umfaßte. Zwei davon enthielten Jacobys Konzepte zu Briefen (18321877), in acht anderen befanden sich die Briefe an ihn (1816i877)2).Uber die Geschichte des Königsberger Stadtarchivs und Stadtgeschichtlichen Museums am Ende des Zweiten Weltkrieges unterrichtet uns deren langjähriger Direktor Fritz Gause in einem autobiographischen Essay:Nachdem es nicht mehr möglich war, das Archiv und das Museum offen zu halten, wurden die Bestände verlagert, doch durften sie nicht aus der Provinz herausgeschafft werden, da der Gauleiter einen solchen Defätismus nicht duldete. So ging dieses unersetzbare Kulturgut verloren. Das Archiv wurde in das Gutshaus von Waldau verlegt, ostwärts von Königsberg, die wertvollsten Stücke in einem Bunker und einem ehemaligen Fort untergebracht. Als das Fort auf Anordnung der Wehrmacht in aller Eile geräumt werden mußte, kamen die dort lagernden Bestände in einen unversehrt gebliebenen Raum des bereits bombenzerstörten und ausgebrannten Archivgebäudes. Die kostbarsten Stücke des Museums wurden in Bunkern innerhalb der Stadt geborgen. Seit der Eroberung') Vgl. Sigmund Schott, Weiß, Guido in Biographisches Jahrbudi und Deutscher Nekrolog. Hrsg. von Anton Bettelheim, Bd. j, Berlin 1903, S. 436 f.; Gustav Mayer, Erinnerungen. Vom Journalisten zum Historiker der deutschen Arbeiterbewegung, Zürich/Wien 1949, S. 198. *) August Seraphim, Handschriften-Katalog der Stadtbibliothek Königsberg in Pr., Königsberg 1909, S. 329 f.