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Vorwort
Am Anfang unseres Jahrhunderts stellte Europa den wohlhabendsten und mächtigsten Teil der Erde dar. Von der Erdbevölkerung lebten damals zwar nur 25 v. H. in Europa, vom Volksvermögen des weißen Teils der Erdbevölkerung aber, das für 1896 auf rund 70 Mrd. Pfund Sterling geschätzt wurde, entfielen etwa 51 Mrd. Pfund Sterling auf Europa und nur 16 Mrd. auf USA. Am "Welthandel betrug der Anteil Europas nidit weniger als 69 v. H.
In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts ist es den „Veruneinigten Staaten von Europa" gelungen, in zwei "Weltkriegen ihren "Wohlstand und die Stellung Europas in der "Welt gründlich zu ruinieren. Im Jahre 1950 war der Anteil Europas am "Welthandel auf 40 v. H. zurückgegangen. Der Anteil Europas am Nationaleinkommen aller Völker der Erde kann für die Mitte unseres Jahrhunderts nur noch auf 30 v. H. geschätzt werden.
"Wirtsdiaftlich ist die Führung in der "Welt von den USA übernommen worden, d^ren Anteil am "Wohlstand der "Weit heute etwa so groß ist, wie es der Anteil Europas am Beginn unseres Jahrhunderts war. Militärisch und politisch ist Europa ein Randgebiet zwischen zwei Großmächten geworden: den USA im "Westen und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und ihren Satellitenstaaten im Osten. Dabei ist Europa durch den Eisernen Vorhang in zwei Hälften zersdinitten, die Trennungslinie geht durch das Land im Herzen Europas, Deutschland, mitten hindurch.
Nach alledem, was die Uneinigkeit den Staaten Europas in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts an Verlusten gebracht hat, könnte man Europa für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts nur die ungünstigsten Prognosen stellen, wenn es bei der Uneinigkeit beharrt. Ein dritter "Weltkrieg würde ohne Zweifel die Reste des europäischen Wohlstandes vernichten - vermutlidi sogar in einer irreparablen Weise.
Aber auch ohne einen dritten Weltkrieg sind die einzelnen Staaten Europas in Gefahr, verlorene Körner zwischen zwei Mühlsteinen zu werden. Der Zusammenschluß der europäischen Nationen zu einem Gebilde, das man die Vereinigten Staaten von Europa nennen kann, ist eine Lebensfrage geworden.
"Wie das Territorium dieser Vereinigten Staaten von Europa aussehen wird, ist heute noch völlig ungewiß. Ein Ganz-Europa, das audi die Gebiete östlicii des Eisernen Vorhangs einschließt, ist die Sehnsucht der Europäer und die allein wirklich befriedigende Lösung. Aber audi wenn dieses Ganz-Europa in den nädisten Jahren noch nicht zu erreichen ist, so muß sich wenigstens die westlidie Hälfte des Kontinents sehr bald enger zusammenschließen, vor allem in wirtschaftlicher Beziehung.
Für die Vereinheitlichung dieses westlichen Gebietes sind widitige Elemente teils vorhanden, teils bald zu erwarten. Ein Europa-Parlament tagt in Straßburg, seine Souveränitätsredite erweitern sidi von Jahr zu Jahr. Eine europäisdie Zahlungsunion wurde im Jahre 1950 errichtet und hat in den Jahren 1950 und 1951 mehrere Krisen erfolgreich bestanden. Eine Montanunion ist gebildet. Wenn auch die Form, in der sie gegründet wurde, nicht als konstruktives Vorbild betrachtet werden kann, so wird man, nachdem sie ins Leben getreten ist, alles tun müssen, um sie zum erfolgreidien Funktionieren zu bringen. Pläne über eine Vereinheitlichung der europäischen Agrarproduktion und der europäischen Agrarmärkte sind so weit ausgearbeitet, daß die Konstruktionsprinzipien konkret diskutiert werden können.