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Hanau, Steinau, Kassel, Marburg: 1785-1805 Die Familie Grimm war im hessischen Raum beheimatet. Hier waren der Urgroßvater und der Großvater der Brüder Grimm als Geistliche der reformierten Kirche tätig, hier wirkte der 1751 geborene Vater Philipp Wilhelm Grimm als Jurist. Aus einer Juristenfamilie holte sich Philipp Wilhelm auch seine Braut Dorothea Zimmer. Als Advokat und dann als fürstlicher Stadt- und Landschreiber in Hanau konnte er es sich zutrauen, bei einfacher Lebensführung eine Familie zu gründen. Nachdem das erste Kind schon nach wenigen Monaten gestorben war, kam Jacob Grimm am 4. Januar 1785 in Hanau zur Welt. Ein Jahr darauf, am 24. Februar 1786, wurde Wilhelm Grimm geboren. Die beiden, die man später schlechthin als die Brüder Grimm bezeichnete, fanden sich mit den Jahren bald in einem größeren Geschwisterkreis. In der bubenreichen Familie verteilte man die Namen Karl, Ferdinand und Ludwig Emil auf drei weitere Brüder, und schließlich kam noch das Mädchen Lotte hinzu. An das Geburtshaus am alten Paradeplatz in Hanau erinnerten sich spä- ter Jacob und Wilhelm nicht mehr, weil die Eltern schon bald nach der Geburt der beiden Söhne eine andere Wohnung in der Langen Gasse neben dem Rathaus bezogen hatten. An dieses zweite Heim dachte Jacob, als er rückblickend schrieb: Die Kinderstube war hinten und ging in den von einer nahen Mauer beschränkten Hof, über die Mauer ragten Obstbäume aus dem benachbarten Garten, wahrscheinlich dem Rathausgarten. Im Rathaushof spielten wir oft. . . Ich wurde oft über den Paradeplatz in die Altstadt zum Großvater getragen und geführt, mußte . . . etwa 1790 in eine Schule laufen, die auf der entgegengesetzten Seite hinter dem Neustädter Markt am Platz der französischen Kirche lag.1* Wilhelm bewahrte noch andere Einzelheiten im Gedächtnis: So weiß ich noch, daß die Tapeten in unserm Haus in Hanau in der Stube unten rechter Hand mit braunen, und grünen schießenden Jägern verziert waren, daß unter dem Ofen oben Porzellantafeln mit Hirschen waren. Auch erinnere ich mich, wie ich Mittag bei der Mutter in der Stube gesessen, die Fenster aufwaren und alles still, daß man bloß das Zischen von den Strumpfwirker Stühlen hörte.2 Wenn die Brüder in der kleinen Stadt ihre Schulwege machten, wenn sie ih rem Großvater, dem Kanzleirat Zimmer, ihre ersten Lesekiinste vorführten oder wenn sie mit der Schwester des Vaters, der Witwe Schlemmer, an der Einmaleinstafel übten, dann war dies noch ein Idyll. Die Kleinen ahnten nichts von den Schrecken dieser Jahre. Im revolutionären Paris, nur wenige hundert Kilometer von Hanau entfernt, fielen damals Tausende von Köpfen unter der Guillotine. Nur einmal ahnten die kleinen Burschen, wie gefährlich man lebte. Wilhelm berichtete: Im Jahr 1790 hatte der Landgraf von Hessen zum Schutz der Kaiserwahl bei der Frankfurt nahe liegenden Stadt Bergen ein beträchtliches Korps zusammengezogen; um die große Revue an einem * Die hochgestellten Ziffern verweisen auf die Anmerkungen S. 131 f.