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Die Gestalt Jesu
Das Johannes-Evangelium schließt mit einer persönlichen Notiz des Verfassers, die man über jeden neuen Versuch eines Lebens Jesu setzen könnte. »Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.« Seit diese Notiz niedergeschrieben wurde, sind tatsächlich ungezählte Bücher über Jesus von Nazareth geschrieben worden, beginnend mit den Evangelienharmonien, die versuchen, die Widersprüche zwischen den Synoptikern und Johannes auszugleichen, bis zu den Rekonstruktionen eines quasi historischen Jesus-Bildes im 19. Jahrhundert. Christen aller Denominationen, Katholiken und Protestanten, aber auch Marxisten und andere Gegner des Christentums haben versucht, Jesus darzustellen. Erst relativ spät setzte der Versuch ein, auch von jüdischer Seite die Gestalt Jesu wieder in den Blick zu bekommen. Der Grund hierfür ist ja leicht verständlich. Solange die kirchliche Zensur jede Darstellung Jesu, die vom Dogma abwich, in furchtbarer Weise bedrohte, war es jüdischen Forschern ganz unmöglich, ihrer Sicht Raum zu gewähren. Erst als im 19. Jahrhundert durch den liberalen Protestantismus hier eine Befreiung der Theologie von den Fesseln der Inquisition einerseits und der protestantischen Orthodoxie andererseits einsetzte, begann der jüdische Beitrag, wenn zunächst auch erst zögernd, zur Leben-Jesu-Forschung. Diese Versuche waren weithin apologetisch beeinflußt. Es ging den jüdischen Autoren meist darum, nachzuweisen, daß die Juden am Tode Jesu nicht schuldig sind. Tendenzen dieser Art reichen bis in unsere Zeit hinein und haben jüngst ihren Ausdruck etwa in dem Buche von Paul Winter: On the Trial of Jesus (1961) gefunden.
Wenn das 19. Jahrhundert viel Fleiß und Gelehrsamkeit an
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