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Achim Eschbach Einleitung
Es war im Frühsommer 1980, als György Szépe, meine Frau Viktória und ich einen unserer Mittagsspaziergänge durch die Budapester Burg machten. Wie gewöhnlich hielt Gyuri eine seiner weitausgreifenden und ungemein detailreichen Vorlesungen, wobei uns diesmal - seitdem wir sein Büro im Linguistischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften verlassen hatten -der Prager Linguistenkreis beschäftigte. Nach einer Kaskade von Namen, Daten und Beziehungen entspannte sich eine Diskussion über die damaligen wissenschaftlichen Kontakte der Prager Linguisten zu einzelnen Forschern und Institutionen sowie über die Frage, welche Strömungen und Forschungsansätze das kennzeichnende Bild des Prager Strukturalismus nachhaltig beeinflußt hatten.
Sehr bald schon konzentrierte sich das Gespräch auf wenige Forscherpersönlichkeiten wie Roman Jakobson, Fürst Trubetz-koy, Ferdinand de Saussure, Gyula Laziczius, Petr Bogatyrev und Karl Bühler. Aus Berichten und Erinnerungen verschiedener Personen war bekannt, daß Bühler nur gelegentlich in Prag weilte, bei diesen seltenen Gelegenheiten dann aber bahnbrechende Überlegungen vortrug wie etwa seine Abhandlungen »Phonetik und Phonologie« (Bühler, 1931) und »Das Strukturmodell der Sprache« (Bühler, 1936), die beide in den Travaux du Cercle Lingui-stique de Prague erschienen. Zugleich ist aber auch daran zu denken, daß Roman Jakobson »und seine Freunde häufig nach Wien kamen, um Karl Bühlers klugen Rat zu hören« (wie Paul Lazarsfeld, 1980: 215, berichtet). Wenn man bedenkt, wie vielfältig die Anregungen waren, die die Prager Linguisten von Karl Bühler erhielten - so wären etwa neben den bereits erwähnten Schriften vor allem Bühlers Funktionsmodell zu berücksichtigen, mit dem sich Jan Mukafovsky und Roman Jakobson intensiv auseinandersetzten, Bühlers Zeichenmodell, das in einer langen Serie von Zeitschriftenaufsätzen bis in die vierziger Jahre kontrovers