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Anna Hedwig Benna - Bürgersinn und Aufbegehren [antikvár]
 
Als Hofrat Robert Waissenberger, der langjährige Direktor der Museen der Stadt Wien, mir vor mehr als zwei Jahren den Plan vorlegte, die nächste Großausstellung dem Vormärz und dem Wiener Biedermeier zu widmen, war ich von dieser Idee fasziniert. Nach dem großen Erfolg der „Wien um 1900"-Schau lag es nahe, sich jener Epoche anzunehmen, die oft so sehr als das „eigentlich Wienerische" empfunden wird. Robert Waissenberger konnte diese Arbeit nicht mehr beenden, er starb für uns alle viel zu früh. Sein Mitarbeiterstab setzte aber...
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Als Hofrat Robert Waissenberger, der langjährige Direktor der Museen der Stadt Wien, mir vor mehr als zwei Jahren den Plan vorlegte, die nächste Großausstellung dem Vormärz und dem Wiener Biedermeier zu widmen, war ich von dieser Idee fasziniert. Nach dem großen Erfolg der „Wien um 1900"-Schau lag es nahe, sich jener Epoche anzunehmen, die oft so sehr als das „eigentlich Wienerische" empfunden wird. Robert Waissenberger konnte diese Arbeit nicht mehr beenden, er starb für uns alle viel zu früh. Sein Mitarbeiterstab setzte aber dort fort, wo er aufhören mußte, und mit dieser Ausstellung präsentiert sich auch die neue Leitung des Historischen Museums zum ersten Mal in einem größeren, internationalen Rahmen. Die vorliegende Ausstellung zeigt, wie schwer es schon damals war, sich in einer Welt der Gegensätze widerspruchslos einzuordnen. Einerseits schuf sich das Biedermeier den (selbstgewählten?) Weg in eine hochkultivierte, heile Welt des Privaten, andererseits trieben die gesellschaftlichen Entwicklungen einem tiefgreifenden Konflikt zu, der sich in der Revolution des Jahres 1848 gewaltsam entladen sollte. Die Janusköpfigkeit dieser Epoche wird in der Ausstellung zu zeigen sein. Hier der Herr Biedermeier, der ein abgeklärtes Leben in goldener Mittelmäßigkeit führen will, dort der Revolutionär des Vormärz, der den Weg zu den demokratischen Reformen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebnet. In dem Spannungsfeld zwischen privater Beschaulichkeit und sozialem Engagement gewinnt das Biedermeier für uns eine neue Aktualität und fordert zu Vergleichen mit unserer Gegenwart heraus. Wenn es der Biedermeierausstellung gelingt, in ihren Besuchern die Neugierde für solche Fragestellungen zu wecken, hätte sie schon eine wichtige Aufgabe erfüllt. Erstaunlich bald wurde das Biedermeier gründlich mißverstanden, als die 1855 gegründeten Münchner „Fliegenden Blätter" die Naivität der Zeit von 1815 bis 1848 in der Person des spießbürgerlichen „Herrn Biedermeier" mit beißender Ironie bedachten. Schon damals glaubte man sich der Kleinkariertheit der Väter haushoch überlegen und erfand als Prototypus des zipfelmützigen Philisters die Herren „Biedermann", „Bummelmaier" und -eben „Biedermeier", dem freilich ein baldiges Ende vorausgesagt wurde, denn Leute seines Schlages galten als „fossile Überreste" der „vormärzsündfluthlichen Zeiten, wo man im Schatten kühler Sauer-krauttöpfe gemütlich aß, trank, dichtete und verdaute und das Übrige Gott und dem Bundestage anheimstellte". Die Epoche freilich war keineswegs nur eine Zeit der Beschaulichkeit und Stille, der Wohnlichkeit und Harmonie, der Sittenstrenge und des Glücks, als die sie bei oberflächlicher Betrachtung erscheint. Schönes Glas, gediegenes Mobiliar und idyllische Bilder illustrieren nur einen Teil des biedermeierlichen Lebens, das durchaus nicht der Inbegriff der Idylle war, sondern stattfand in einer Ära zwischen Restauration und Revolution. Der historische Hintergrund, vor dem sich Herr „Biedermeier" seine Welt einrichtete, wird bis heute gerne vergessen. Man lebte zwischen den patriotisch erlittenen Franzosenkriegen am Beginn des Jahrhunderts und dem Scheitern der bürgerlichen Revolution am Ende des Jahres 1848. Eine lächerlich restriktive Zensur überwachte Freiheitsregungen jeder Art. Der vom Staat gewissermaßen vorgegebene poUtische, moralische und künstlerische Kodex erstickte jede nach Öffentlichkeit strebende freiheitliche Regung -nicht zuletzt deshalb reagierte man hilflos auf den Einbruch der Technik, auf die rasch voranschreitende Industrialisierung, auf die daraus erwachsenden sozia- len Spannungen und das zunehmende Elend weiter Bevölkerungsschichten. Die Ausstellung „Bürgersinn und Aufbegehren - Biedermeier und Vormärz in Wien. 1815-1848" gibt einen Einblick in diese Zeitspanne der Wiener Geschichte in all ihren Widersprüchlichkeiten. Sie räumt gründlich auf mit dem Klischeebüd einer heilen Welt voll zufriedener Biedermänner, indem sie eine Ära darstellt, die uns unter restriktiven Bedingungen unvergängliche kulturelle und geistige Werte hinterlassen hat und in der sich zugleich der Aufbruch in die moderne Industriegesellschaft ankündigt. Amtsführender Stadtrat für Kultur Dr. Ursula Pasterk 'i^nJk Dr. Helmut Zilk

Termékadatok

Cím: Bürgersinn und Aufbegehren [antikvár]
Szerző: Anna Hedwig Benna , Günter Düriegl Walter Leitsch
Kiadó: Museen der Stadt Wien-Verlag Jugend und Volk
Kötés: Vászon
ISBN: 3224167416
Méret: 220 mm x 290 mm
Anna Hedwig Benna művei
Günter Düriegl művei
Walter Leitsch művei
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