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Camille Pissarro ist der álteste unter den berühmten französischen Impressionisten. Manet, der eigentliche Begründer dieser neuen Richtung des Sehens und Malens, ist zwei Jahre jünger, Degas vier, Monet zehn und Renoir sogar elf Jahre.
Unter Impressionismus — so wird die Kunst jener Maler genannt — verstehen wir eine kunstgeschichtliche Epoche, die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Frank-reich ansetzte und in den siebziger Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Die Bezeichnung ,,Impressionisten" habén die Gegner dieser Maierei als Spottnamen geprágt; sie wurde einem Bilde Monets entlehnt, das er unter dem Titel ,,Impression — soleil levant", aufgehende Sonne, eine Hafenansicht im Morgennebel — auf der ersten Ausstellung der Impressionisten im Jahre 1874 zeigte.
Die junge Künstlergruppe war mit den fortschrittlichen realistischen Malern der álteren Generation — Delacroix, Courbet, Daumier u. a. — einer Meinung darin, daB die als offizielle Kunst gefeierte Maierei heuchlerisch und wirklichkeitsfremd in ihren Inhalten, licht- und freudlos in ihrem Kolorit und erstarrt und langweilig in ihrer Komposition ist. Von diesen Realisten zum Naturstudium angeregt, erachteten die Jungen ein festes, vorher durchdachtes Kompositionsschema als überflüssig. Ihrer Auffassung nach hielt für sie die Natúr bereits standig neue Kompositionen bereit; sie mufíten nur entdeckt werden. Auch die Farben bot zur Übernahme die Natúr. Die Aufgabe wurde aber darin gesehen, alles Erschaute so echt künstlerisch wie möglich nachzuschaffen. Das nun, was die Jungen und die Altén weiterhin verband — der Protest gegen den reaktionáren Akademiekult, gegen die unwahre Verherrlichung der reaktionáren Klasse, gegen die verlogene Mythologie — spiegeln ihre Werke vom Thema her kaum oder nur sehr unzureichend wider.
Courbet und Daumier, aber auch Delacroix — drei der bedeutendsten französischen Meister des 19. Jahrhunderts — sahen ihre vornehmste Aufgabe in der Widerspiegelung des gesell-schaftlichen Lebens. Sie vertraten in ihren Werken immer offen einen parteilichen Stand-punkt. Courbets Bildern entströmt eine revolutionáre Unruhe, ein Aufbegehren; und bei denen Daumiers empfindet man ein echtes Gefühl für die Unterdrückten. Die Impressionisten hingegen engten ihren Themenkreis stark ein und bemühten sich auch dann noch höchst selten, besondere gesellschaftliche Beziehungen auszudrücken. Sie be-schránkten sich in der Mehrzahl auf die Wiedergabe von Stadtansichten, FluBlandschaften, Menschengruppen in der Natúr, Aktén, dörflichen Gegenden, Stilleben u. á. Die Künstler gerieten bei ihren Studien in einen wahren Begeisterungstaumel über die malerischen Reize des Lebens der Natúr. Sie glaubten, mit der vollendeten Wiedergabe des einfach Gesehenen sei ihre Aufgabe als Künstler erfüllt. Das war ein Irrtum, der viele spáter zum Nachdenken anregte. Was hielt sie, die sich seit 1866 regelmáBig im Pariser Café Guerbois auf dem Mont-martre trafen, um fortwáhrend ihre Verachtung gegenüber der reaktionáren Kunst auszudrücken und unermüdlich für die Wahrheit in der Kunst zu streiten, davon ab, konkrét zum gesellschaftlichen Leben Stellung zu nehmen ? Emilé Zola versucht in seinem Román ,,L'Oeuvre", mit dem er den Impressionisten ein Denkmal setzte, dafür eine Erklárung zu geben: „Unbekümmert um ihre Armut, und als brauchten sie, um die Herren zu sein, bloB