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Vorwort
Die Dokumente des deutschsprachigen Kanzleischrifttums in der Zips sind über ihre wohlbekannte kulturhistorische Relevanz hinaus exzellente Beispiele für älteste deutsche Sprachdenkmäler Ungarns.
Die kulturelle Besonderheit der in der Zips angesiedelten Deutschen sowie ihre sprachliche Eigenart wird neuerdings von slowakischen und natürlich auch von deutschen Germanisten untersucht. Im Mittelpunkt der Forschungen stehen vor allem die Rechtstexte und die „Stadtbücher", denen eine große Bedeutung zukommt, weil sie über die Stadt in allen ihren Segmenten berichten und damit ein vielfältiges Bild über die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse der Ortschaft zeichnen. Eine weitere wichtige Gruppe von Kanzleitexten sind die städtischen Finanz- und Wirtschaftsbücher.
Die Bedeutung dieser „Rechnungsbücher" als Quellen für Wirtschafts- und Kulturgeschichte wurde in der ungarischen Geschichtsforschung bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erkannt, und das wissenschaftliche Interesse daran besteht bis zum heutigen Tag. Dieser Quellentyp, der dem jeweiligen Zweck entsprechend eine breite Palette an Varianten aufweist, ist aus dem Schriftgut der Frühen Neuzeit nicht wegzudenken und bietet eine unersetzbare Quelle für verschiedenste historische Disziplinen.
Die Stadt Leutschau (slowakisch Levoca, ungarisch Lőcse) mit ihrem wirtschaftlichen und politischen Gewicht kann mit Sicherheit als wichtigste Repräsentantin der Zipser deutschen Städte betrachtet werden. Das Archivmaterial verspricht wegen der Machtstellung der Stadt ein besonderes und spannendes Bild einer Stadt an der Schwelle der Neuzeit aufzuzeigen. Einen ersten, kompakten Einblick in dieses Material gewährleistete der Band „Lőcsei stipendiánsok és literátusok", der im Leutschauer Archiv aufbewahrte Dokumente über Auslandsstudien Leutschauer Jugendlicher im Zeitraum 1550-1699 beinhaltet. Den Großteil der lateinischen und deutschen Briefe schrieben die Studierenden aus dem Ausland an den Stadtmagistrat, der nicht nur für das städtische Gymnasium Sorge trug, sondern auch als bedeutender Mäzen die im Ausland Lernenden unterstützte. Zur Wahrnehmung dieser überaus verantwortungsvollen und aufwendigen Aufgabe des Magistrats von Leutschau trug Mitte des 16. Jahrhunderts in beachtlichem Maße das durch Testament des königlichen Statthalters Alexius Thurzö gestiftete Legat bei.
Das lange Zeit als verschollen gegoltene so genarmte Testamentbuch, das die jährlichen Abrechnungen der „Thurzónischen" Legatsgelder enthält, steht im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung. Außer der Edition der über 92 Jahre lang geführten handschriftlichen Quelle, deren Bedeutung für die Geschichte der deutschen Sprache offensichtlich ist, werden insbesondere folgende Fragen dieses kulturhistorischen Komplexes berücksichtigt: Welche geistig-kulturellen Beweggründe haben zur „Thurzónischen Stiftung" geführt? In welchem Maße