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1. KAPITEL
„Dottore! Dottore Lunati!"
Genau unter dem Fenster des Schläfers erklang der Ruf. Gleich darauf dröhnte der schwere eiserne Klopfer, der die KHngel ersetzte, gegen das alte, mit kupfernen Nägeln beschlagene Holz der Haustür.
Lunati, sofort hellwach, verließ sein Bett, riß die Tür zum Flur auf, brüllte nach dem verschlafenen Dienstmädchen und öffnete gleich darauf die grüngestrichenen, etwas verquollenen Jalousien des Fensters. Zwischen den in voller Blüte stehenden Oleanderbäumen erkannte er die zwergenhaft kleine Gestalt des Torresanischen Dieners.
Von dem Klirren der heftig auseinandergestoßenen Scheiben aufmerksam gemacht, trat Silvio einen Schritt zurück und hob den Kopf.
„Die Contessa", keuchte er, über sich das vertraute Gesicht des Arztes wahrnehmend, „die Contessa . . . Sie möchten sofort kommen, Dottore so schnell es geht." Er war den ganzen Weg, vom Hafen her und noch dazu bergauf, gerannt. Nim lehnte er sich erschöpft gegen die Hauswand.
„Ich komme", sagte Lunati und trat vom Fenster zurück. Leise vor sich hinfluchend, kleidete er sich an. Er wollte eben das Zimmer verlassen, als Emilia die Tür um einen Spalt öffnete und fragte, was sie ihm an Instrumenten zusammenpacken solle.
^ Er folgte ihr in den Konsultationsraum. Sie bewegte sich leise und schnell zwischen den blitzenden Instrumenten.
„Nicht wahr", fragte sie, „es kommt zu früh. . . ?"
Lunati zögerte mit der Antwort. Die jungen Mädchen wußten in diesen bösen Kriegsjahren viel zu viel, zumal um Dinge, die er ihnen gern erspart hätte. Aber