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Paul Cézanne
Um 1880 präsentiert die große, bahnbrechende Bewegung der Impressionisten ihre letzten hervorragenden Werke der Öffentlichkeit: im Jahre 1886 findet die letzte Ausstellung der Gruppe statt. Es haben sich jedoch schon Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnisse innerhalb der Vereinigung bemerkbar gemacht. In Frankreich werden neue Techniken erprobt; das problemlose Anschauen und Kopieren der Schönheiten der Natur befriedigt nicht mehr. Die Gruppe löst sich auf, die Hauptvertreter der impressionistischen Periode arbeiten unabhängig voneinander weiter und nähern sich mehr oder weniger den neuen Techniken und Strömungen. Paul Cézanne, der von seinem Freund Pissarro in den Kreis eingeführt worden war, hatte an der ersten und an der dritten Ausstellung teilgenommen. Pissarro übte einen stark produktiven Einfluß auf Paul Cézanne (1839-1906) aus, während diesen noch dunkel-geheimnisvolle, spätromantische Rufe verlockten und in der Phantasie des provenzalischen Malers noch eine rätselhafte literarische Welt lebendig war, die seine Hand nicht zu bezwingen vermochte. Cézanne ist ein schwieriger Maler, ein Künstler, dem es nur durch lange, mühsame Arbeit gelingt, seinen Stil und seine ihm eigene Bilderwelt zu finden. In seiner Jugend arbeitet er ohne Vorbilder, besucht die freie Académie Suisse, wird beeinflußt von Courbet und Daumier. Er konstruiert seine Bilder in Helldunkel-Kontrasten mit dicken, klumpigen Materialien und versucht sich in phantastischen Kompositionen, zu denen er durch häufige Besuche in den Sälen des Louvre angeregt wird. Die ersten zehn Jahre seines Schaffens von 1860 bis 1870 verbringt er ganz in einer leidenschaftlichen, manchmal sogar besessenen Suche nach Stil. Auch die Bilder, die wie spontan geschaffen wirken, fast wie ein Schöpfungsakt, sind in Wirklichkeit langsam entwickelt worden, durch ständige Uberlagerung von Farbschichten, durch den Gebrauch von Spachtel und
Pinsel, die sich im begierigen Willen zur Form vermischen, der niemals völlig beherrscht wurde. Cézanne hat es noch nicht gelernt, seine Gefühle in direktem Kontakt mit der Natur zu überprüfen. Pissarro, mit dem er in Pontoise und Auvers zwischen 1872 und 1874 arbeitet, lehrt ihn, die Welt und die Wirklichkeit in ihrem wahren, objektiven Erscheinungsbild zu >sehen<, er enthüllt ihm die Bedeutung von Licht und Atmosphäre. In dieser Zeit vertieft sich die Liebe des Meisters aus Aix zur Natur, die er in ihrer erdhaften Beschaffenheit erforscht, in ihrer nackten, strengen und feierlichen Schlichtheit. Es liegt etwas Episches in seinen Bildern, eine Monumentalität, die sich aus seiner Absicht ergibt, das Bild mit architektonischen Mitteln zu konstruieren, es als synthetische Einheit aus Form und Farbe zu begreifen. Cézanne nimmt an den Ausstellungen der Impressionisten teil, jedoch bleiben ihm die der Bewegung eigenen Aspekte von Grund auf fremd: das vorherrschende Interesse für die Lichteffekte, die Improvisation einer Schöpfung, die an das >Hier und Jetzt< gebunden ist, die Auflösung der Form in der Atmosphäre, die alles zerfrißt und entkörpert. Seine Stilleben, seine Porträts und Landschaften, seine Badenden sind keine Zeugnisse eines Augenblickes, der zerrinnt und entflieht, keine Eindrücke und Beobachtungen der verschiedenen Naturerscheinungen, sondern im Gegenteil eine Bestätigung des Ewigen, einer Wirklichkeit, deren formales Wesen betrachtet wird als fester Zusammenschluß von Körpern, die das Licht modelliert. Seine Farbe splittert die Form nicht auf, um dem Spiel der Atmosphäre nachzugehen; die Form wird machtvoll und plastisch dargestellt durch eine kräftige Pinselführung, die der Kraft der Natur gleichkommt. Cézanne arbeitet wie ein Bildhauer, der die Figur durch Hinzufügen von Materie formt, und so werden seine >taches< mächtig und energiegeladen. Zwischen 1875 und 1880 verlieren seine Farbauftra-gungen an Dicke. Seine Kompositionen fügen sich zu perspektivischen, architektonisch streng gegliederten
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