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EINLEITUNG „Das Volk singt meine Lieder, man singt sie in den Salons, die Komponisten reifien sich danach, die Jungen deklamieren sie in den Schulen, mein Portrát erscheint nach Goethe, Tieck und Schlegel als das vierte in der Reihe der gleichzeitigen deutschen Dichter.. schrieb Chamisso im Juni 1832 seinem Freunde de laFoye nach Frankreich. Dieser grofie und noch lange andauernde Erfolg hat sich für Chamisso allerdings erst spát eingestellt. Er hatte als entschiedener Parteigánger der Romantik begonnen und brauchte lange Zeit, ehe er sich von der allmáhlich überholten literarischen Bewegung lösen konnte. Er stand schon im fünften Lebensjahrzehnt, als er mit seinem eigentlichen, zeit- und lebensbezogenen poetischen Schaffen begann und zu einem Wegbereiter und Sprecher der frühen deutschen Vormárzliteratur wurde. Sein grofíer und jüngerer Zeitgenosse Heinrich Heine bestátigte diese auffállige Entwicklung des Dichters, wenn er 1836 in seiner „Romantischen Schule" schrieb, das Herz Chamissos habe sich „in der letzten Zeit so wunderbar verjüngt, daG er in ganz neue Tonarten überging, sich als einen der eigentümlichsten und bedeutendsten modernen Dichter geltend machte und weit mehr dem jungen als dem altén Deutschland angehört". Louis-Charles-Adelaide de Chamisso - wie der Dichter eigentlich hiefi - kam am 30. Januar 1781 als vierter Sohn des Grafen LouisMarie de Chamisso auf dem Stammsitz des altén Adelsgeschlechts, dem Schlofi Boncourt in der Champagne (Departement Marne), zur Welt. In dieser idyllischen Landschaft wuchs er heran, bis in seinem neunten Lebensjahr die Familie infolge der Französischen Revolution ihre Besitzungen verliefi und über Belgien und Holland nach Deutschland emigrierte. Ihr Vermögen wurde konfisziert und das Schloft Boncourt von Revolutionstruppen eingeáschert. In Deutschland schlofi sich Chamissos Vater den konterrevolutionáren Verbánden des Mar-