Bővebb ismertető
Erstes Buch
DER TAGESLAUF EINES CHIRURGEN
Daß in der Park-Avenue so wenig Bäume wadisen wie in der Sahara, weiß jedes Kind in New York, und sie sieht audi nicht weniger öde aus für jemand, der zufällig dort entlangkommt. Die Bahn führt unsichtbar unter den Staubgebackenen Rechtecken hin, dieser endlosen Reihe von Wohnblöcken; irgendein Zierstraudi auf einer Daditerrasse zeigt das einzige bißchen Grün, unwirklich grell bei der Entfernung zu dem Gehsteig tief unten. Ein Spaziergänger, der am frühen Morgen die feierliche Länge der Straße hinabsdilenderte, könnte annehmen, daß in der Park-Avenue überhaupt rüchts los sei. Der letzte Bus ist nadi Norden abgebraust zum East River hin, an dessen Ufern eine elegante Privatschule neben der anderen steht. Das letzte Privatauto ist südwärts in Riditung Wallstreet davongesurrt, das letzte Kindermädchen hat seinen Babywagen westwärts zum Zoo gesteuert und der letzte Mann von der Tankstelle seine eben noch überlaufene Bude zu-gemadit bis zum nächsten Ansturm auf sein Benzin. Für Portiers und Hunde ist es schon zu spät, und für die erste unbarmherzig aufgemachte Dame noch viel zu früh: sie wird erst ein paar Stunden später zu ihrer Verabredung zum Lunch im »Kolonial« oder in »Nr. 21« das Haus verlassen. Höchstens, daß aus dem vergitterten Fenster eines feudalen Antiquitätenladens der Besitzer bös-äugig und mißgestimmt in den Himmel starrt, in seinem seidenen Morgenrock selbst an ein Wappenschild erinnernd. Aber abgesehen von diesem bißchen schläfriger Rührigkeit dämmert die Park-Avenue selbstversunken vor sidi hin. Nur ein scharfes Ohr wird den leisen Pulssdilag dieses Riesenherzens hinter den Häuserfronten hören oder eine raffinierte Nase den Gerudi von Geld wittern, der unabhängig von allen Tageszeiten unter den Dächern haust, fühllos und grausam wie ein Götze der Zeit.
Auf den ersten Blick sah die gedrungene Frau auf der Verkehrsinsel an der Kreuzung der Sechsundsiebzigsteii Straße aus, als