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I. Umschlag-seite: Urschalling bei Prien mit
Eine Kirche mit Zwiebelturm und etliche Höfe, alles auf einem Höhenzug unweit Prien, das ist Urschalling, zu dem ein schmales Sträßchen von der Straße Prien-Autobahn abzweigt. Dorthin kommen in der Regel nur Hocbries jene, die wissen, daß in Urschalling ein Kirchenbau aus dem hohen Mittelalter steht, dessen Innenwände mit Fresken bedeckt sind: im schmalen, nur 4,2 m breiten Langhaus mit gewölbter Decke - eine Seltenheit für romanische Kirchen - ebenso wie in der halbkreisförmigen Apsis. Bereits im 19. Jahrhundert wußte man von diesen Malereien, die hervortraten, aber wieder übertüncht wurden. Erst im Zweiten Weltkrieg erinnerte man sich dieser Fresken, die der Restaurator Hans Pfohmann ab 1941 in zweijähriger Arbeit freilegte. Dabei wurde auch entdeckt, daß unter den gotischen noch romanische Fresken mit gleichem Bildinhalt vorhanden sind. Nur an der Nordwand des Ostjochs - Darstellung des Sündenfalls - und in der Apsis wurden diese ältesten Fresken freigelegt. Um 1180 datiert man das romanische Sün-denfallbild; unterm Paradiesbaum steht das Stammelternpaar, Scheu und Trauer im Gesichtsausdruck. Die Kirche, die den Apostel Jakobus den Älteren zum Patron hat, erhielt Ende des 14. Jahrhunderts jene gotischen Fresken, die als eine »biblia pauperum« die Heilsgeschichte erzählen sollen. Es ist ein nahezu vollständig erhaltenes Bildprogramm: Christus- und Marienleben, Evangelisten, Apostel, die klugen und törichten Jungfrauen, Kirchenpatrone, Landes- und Stifterwappen. Alles entströmte einer unbekümmerten Erzählerfreude. Das Erstaunliche ist die voll erhaltene Kraft der Farben: warme Rot- und Gelbtöne, etwas blasseres Blau und Grün; die Figuren sind von kräftig gezogenen Konturen umrahmt; Algen zerstören jedoch in erschreckendem Maße die Fresken. Man ist tief beeindruckt von der Fülle der Bilder, die Urschallings Kirche aufweist; solch mittelalterliche Kunst ist sonst im Chiemgau nur noch auf dem Streichen und in Gollenshausen zu finden. — Wer an einem Sommertag aus der Kirche hoch überm Chiemsee heraustritt, vor dem breiten sich das Grün der Wiesen und die Farbenpracht 1 der Gärten sowie die weite Seefläche mit den Inseln aus.