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An den grossen Einzelschöpfungen, den Haupt= und Meister= werken, den besonderen Geist, Triebart und Triebrichtung einer nationalen Kunst zu erkennen, aus denen sie gewachsen sind, ist mitunter nicht leicht. Zu groß ist ihr Eigenwert, zu überragend ihr persönlicher Gehalt: sie stehen fast jenseits schon der besonderen äußeren und inneren Bedingungen und Kräfte, die zusammenwirkend die Eigentümlichkeit der Kunst eines Volkstums ausmachen, sie sind hinausgehoben aus Zeit und Raum in die Sphäre des Allgültigen. Weit unverhüllter aber zeigt sich diese Eigenart in Klein= und Nebenwerken für den Allgemeinbedarf an Schmuck, Schönheit und Belehrung oder in all den Schöpfungen, die der Laune, dem Augenblick, dem Zufall ihre Entstehung verdanken — wir meinen Werke, die, bildlich oder im Sinne des Volksliedes gesprochen, >wie von selber< entstanden sind. Das Beiläufige ihrer Entstehungs= art, die geringere Dichte ihrer Gestaltung haben eine größere Transparenz zur Folge: eine Transparenz, die unmittelbarer, müheloser in Geist= und Seelengründe derer eindringen läßt, die sie geschaffen haben, wie derer, für die sie geschaffen sind. Man denke für die griechisch=etruskisch=römische Ge= samtantike an deren Gemmen, Münzen und Vasenzeichnun= gen, für den Hellenismus insbesondere an die Figuren von Tanagra, man denke an die Miniaturen Persiens und Indiens, an die Buchmalerei der Gotik, an die Zeichner und Stecher, die Kleinmeister des sechzehnten bis achtzehnten Jahrhun= derts, und man denke für ganz Ostasien an dessen Far= benholzschnitt. Und gerade solche Schöpfungen, gleichsam an den Rand der großen Kunst notiert, sind die rechten Stufen, uns langsam hinaufzuführen in die hohe Region letzter künstlerischer Äußerung, uns Auge und Sinn zu 30
öffnen für Herkunft, Rang und Bedeutung der ewigen Mei= sterwerke.
Der japanische Holzschnitt ist allen künstlerisch Interessier» ten etwas Wohlbekanntes, bekannt ist auch der nachhakige Einfluß, den er auf Kunst und Kunstgewerbe Europas in den letzten zwei Menschenaltern gewonnen hat. Wir wissen: er war in den sechziger Jahren die große Entdeckung und Begei= sterung der französischen Impressionisten dank einem — hier nicht näher darzulegenden — jener stilistischen Irrtümer, die sich so manches Mal in der Entwicklung der Kunst als höchst fruchtbar erwiesen haben. Und die Bewunderung der Impres= ^
sionisten trug die japanischen Blätter im Siegeszuge durch die i
ganze Welt. Seitdem sind sie ein Sammelobjekt von hoher |V
Geltung und trotz der mannigfachen Schwankungen in ihrer f
künstlerischen Bewertung ein preissicherer Gegenstand im Kunsthandel geblieben. Denkt man an Japan, so wird jedem vor allem die bunte Vielfalt des Holzschnittes vor Augen stehen, der mit seinem thematischen, kompositorischen, kolo= ristischen Reichtum so überaus beredt und drastisch von Land, Leuten und Leben im großen und im kleinen, mit Pathos, Anmut und schnurriger Behaglichkeit zu erzählen weiß, der die charakteristische Eigenart japanischen Bildnertums trotz, ja wegen seiner begrenzten Ausdrucksmittel mit besonderer Prägnanz dartut.
Der chinesische Holzschnitt wurde um mehr als ein Menschen» alter später in Europa bekannt und kam zu uns nach Deutsch» land erst im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Und so groß die Bewunderung auch war, die schon seine ersten Blätter bei den östlich interessierten Kunstfreunden fanden, so unzweifelhaft ihr künstlerischer Rang, ihre unvergleich»
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