Bővebb ismertető
Geleitwort
Der Radiotherapeut befindet sich in der Tumor-behandiung ähnlich wie der internistische Onkologe quasi zwischen Szylla und Charybdis: Auf der einen Seite hat er sich mit dem Problem der Therapieresistenz auseinanderzusetzen. Andererseits limitiert die Toleranz des Normalgewebes sein Bemühen. Da beide Faktoren individuellen Schwankungen unterworfen sind, ist der therapeutische Weg mitunter recht schmal. Ein zaghaftes Vorgehen riskiert das Tumorrezidiv, ein zu forsches Zupacken unter Umständen lebenslange Strahlenfolgen.
Die modernen Möglichkeiten der Strahlentherapie - nämlich bessere Gewebepenetranz, gleichmäßige Strahlenabsorption der Gewebe, geringe Streustrahlung, individuell variierbare Eindringtiefe etc. ~ reduzieren die Bestrahlungsnebenwirkungen zwar beträchtlich, konnten sie aber nicht völlig eliminieren. Während in der konventionellen Röntgenära die Haut als kritisches Organ galt, hegt heute das Dosismaximum in der Tiefe des Körpers, in Organen also, die man häufig nicht beobachten kann, deren Strahlentoleranz man also genau kennen muß. Zu berücksichtigen ist auch, daß wegen der geringeren akuten Strahlennebenwirkungen höhere Tumordosen applizierbar werden, mitunter unter Verwendung verschiedener Fraktionierungsmuster, Einzeldosen und Strahlenarten bzw. nach operativer, chemo- oder radiotherapeutischer Vorbehandlung. Wir haben erst recht spät gelernt, daß die akute Strahlenreaktion zwar ein Alarmsignal ist, daß aber ihr Fehlen oder Vorhandensein noch nicht auf das Ausmaß einer chronischen Strahlenfolge schließen lassen.
Jede effektive Tumortherapie mit Stahl, Strahl oder Chemotherapeutika hat Nebenwirkungen, unter Umständen sogar irreparable Behandlungsfolgen. Starke chronische Strahlenfolgen beeinträchtigen nicht nur den Patienten, sondern belasten auch den Arzt emotional stark, weil sie immer noch als therapeutisch kaum beeinflußbar gelten. Wir Strahlentherapeuten sind deshalb den Veranstahern des 99. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der 12. Tagung der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen dankbar, daß sie sich dem Problem der Strahlenfolgen vorurteilsfrei und emotionslos angenommen und beeindruckende therapeutische Wege gewiesen haben.
Wenn der Radiotherapeut weiß, daß ein evtl. später auftretendes Ulkus mit Hilfe modemer Methoden der plastischen Chirurgie verschlossen werden kann, so mag er dieses Wissen nach Absprache mit dem Patienten in das therapeutische Kalkül einbeziehen. Meinen Kollegen darf ich Mut machen, Patienten mit schweren chronischen Strahlenfolgen dem Plastischen Chirurgen vorzustellen. Sicher erwachsen daraus gegenseitiges Verständnis und weitere Möghchkeiten der interdisziplinären Kooperation, welche wir in der Onkologie so dringend nötig haben.
R. Sauer,
Vorsitzender der Sektion Radio-Onkologie der Deutschen Röntgengeseilschaft
Erlangen, im Februar 1984