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Titus Kolnîk
Die älteste Doppelkreuz-Reliquie auf dem Nitraer Codex
Nltraer Codex, 11.-15. Jahrhundert. Vorderansicht
Detailansicht der Kreuzreliquie aus dem 11. Jahrhundert
Bei der Begegnungdes hl. Vaters mitder Jugend in der Slowakei, am 30 Juni 1995, in Nitra, konnten jene, die die Fernsehübertragungverfolgt haben, sicherlich in verhältnismäßigdetaillierter Aufnahme das prunkvolle Meßbuch beobachten. Der Kommentator hielt einen Augenblick inne, offenbar erkannte er in der Schnelligkeit nicht den Nitraer Codex, das älteste in Latein geschriebene Buch slowakischer Provenienz. Und überhaupt ahnte er nicht, dalä in der Verzierung des Einbanddeckels dieses einzigartigen Denkmals der mittelalterlichen Buch- und dekorativen christlichen Kunst, das manchmal - fügen wir hinzu - un-
richtig als Evangeliar oder auch Szelepchenyi-Codex bezeichnet wird, ein altertümliches byzantinisches Reliquiar einkomponiert ist. Ich betone, daß es die Formein es Doppel-bzw. Zweibalkenkreuzes hatund aus dem 11. Jh. stammt Es ist das älteste Artefakt nicht nur der Slowakei, sondern wahrscheinlich auch im ganzen Gebiet des ehemaligen Ungarns.
Rekapitulieren wir zuerst einmal die grundlegenden Angaben und Kenntnisse über den Nitraer Codex, wie sie uns diebisherige Forschung vermittelt.
Mehrere ungarische und slowakische Spezialisten (Radö 1939; Szigeti 1961; Markovic 1961; Sopko 1987), Spitzenkennerder mittelalterlichen Buchkulhn beweisen,daßderCodexirgendwann an der Wendedesliy 12, Jh. odermitgrößterWahrscheinlichkeitbereits zwischen 1075 und 1092 in der Benediktinerabtei in
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Hronsky Benadik (Sanctus Benedictus) entstanden ist. Sie urteilen, daß er das Werk eines unbekannten Skriptors nach einer von den Benediktinern in der Provinz Liege-MaastrichtangeferHgten Vorlageist. Vom liturgischen Gesichtspunkt enthält der Text Evangelien für die Sonn- und Feiertap. Geschrieben ist er lateirusch, auf Pergament, mit spätkarolingischer Minuskelschrift in einer Spalte, mit illuminierten Federzeichnungen mit Majuskelinitialen, verziert mit Flechtband- und Figuralmotiven. Einer der Ausgangspunkte für die Datierung des Codexeinbandes war das Wappen in der linken unteren Rosette, mil einem Löwen im Schild und einer vierblättriger Blume. K. Szigeti (1961) argumentiert in der Arbeil „A Szelepchenyi-Cödex" daß das Wappen der Sze chenyi-Familie gehörte, aus welcher der Abt des Klosters in Hronsky Benadik Johannes IIL stammte. Ge rade er war es, der in der unruhigen Zeit im 15. Jh das bei einem Hussitenangriff 1435 niedergebrannti Gotteshaus und den Konvent erneuern ließ. Wahl scheinlich hat er ein Verdienst auch an der Erneue rung des damals offenbar ziemlich beschädigten Co dex-einbandes.
Der Nitraer Bischof Franziskus X. Fuchs schrieb da Wappen in der kanonischen Visitation vom J. 180
GeorgSzelepchenyizu,unddeswegenbe2eichneteL
dieses wertvolle liturgische Buch als „Szelepcheny Codex". Es kann konstatiert werden, daß die herald sehe Analyse des Wappens auf dem Codex noch z