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VORWORT
"Wer dieses neue Handbudi der Religionen der Erde mit Handbüchern dieser Art vergleicht, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen — nomina non sunt odiosa, quia superflua —, der wird befriedigt und ermutigt feststellen können, daß seitdem doch beträchtliche Fortschritte auf diesem bedeutungsvollen Gebiet erzielt worden sind.
Unvergleichlich besser ist heute die Ausgangsbasis des Forschens und Wissens. Damals war die ungeheure Masse der Religionen der Naturvölker zum großen Teil noch unbekannt, zum andern Teil aber noch ohne jede Gliederung und Aufteilung hinsichtlich ihrer Art und ihres Alters, so daß überhaupt keine zuverlässige Ausgangsbasis vorhanden war. Mit dem einen Wort der „Primitiven" wurden damals und mandierorts noch geraume Zeit später Völker und Religionen umspannt, die, wie der stets wachsende Zustrom neuer Materialien zeigt, viel reichere und tiefere Unterschiede in sich schlössen, wie nur irgendwelche Schriftreligionen von Hochkulturvölkern sie darbieten mögen. Indem die Forschung zeigen konnte, daß Mutterrecht und Totemismus mit ihren komplizierten Religionen und Mythologien als spätere Formen von den Anfängen ausgeschieden werden müssen, trat schon eine bedeutende Klärung und Vereinfachung der Ausgangsbasis ein. Die Klärung und Vereinfachung schritt weiter fort, als die Wirtschaftsstufen der Tierzucht, der Pflanzenzucht, des höheren Jägertums als „Primärkulturen" sich von der Jagd- und Sammelstufe, der „Urkultur" abheben ließen, jede mit charakteristischen Formen Ihrer Religionen. Denn erst da konnten auch die Religionen dieser Urkultur als letzte Ausgangsbasis umso deutlicher In ihrer Eigenart hervortreten und erfaßt werden.
Gerade die Religionen der Völker der Jagd- und Sammelstufe sind in diesem halben Jahrhundert uns besser bekanntgeworden, nldit durch Theorien, sondern durch Expeditionen, die an Ort und Stelle diese Religionen erforschten. Zwar verhallte der Aufruf zur Pygmäenforschung, den ich In meinem Werk „Die Stellung der Pygmäenvölker In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit" 1910 erließ, noch fast ungehört. Erst In der zweiten Hälfte dieses halben Jahrhunderts, als ein so verständnisvoller Mäzen wie Papst Pius XI. auf meine Vorstellungen die Mittel zu einer Reihe von Expeditionen bei asiatischen und afrikanisdien Pygmäen und Pygmolden bereitstellte, kam