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Antonia Meiners - Chronik 1925 [antikvár]

Chronik 1925 [antikvár]

Antonia Meiners

 
m Das Jahr 1925 Der Weimarer RepubUk ist eine Atempause vergönnt; Inflation und Not sind weitgeliend überwunden, die Wirtschaft hat sich stabilisiert, und in den Beziehungen zu den ehemaligen Kriegsgegnern des Wilhelminischen Reichs setzen sich die Kräfte der Vernunft durch. Wenige ahnen, daß diese zwölf Monate in der Mitte des Jahrzehnts der »goldenen Zwanziger« gleichzeitig eine Wende zu einer politischen Entwicklung einleiten, die den Boden für die nationalsozialistische Machtergreifung nur wenige Jahre später bereitet. Die...
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m Das Jahr 1925 Der Weimarer RepubUk ist eine Atempause vergönnt; Inflation und Not sind weitgeliend überwunden, die Wirtschaft hat sich stabilisiert, und in den Beziehungen zu den ehemaligen Kriegsgegnern des Wilhelminischen Reichs setzen sich die Kräfte der Vernunft durch. Wenige ahnen, daß diese zwölf Monate in der Mitte des Jahrzehnts der »goldenen Zwanziger« gleichzeitig eine Wende zu einer politischen Entwicklung einleiten, die den Boden für die nationalsozialistische Machtergreifung nur wenige Jahre später bereitet. Die Zwiespältigkeit dieser von Hoffnung erfüllten Phase wird bereits im Frühjahr deutlich. Nach dem Tod des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert wählt die Mehrheit der Deutschen den einstigen Generalfeldmarschall des Kaisers, Paul von Hindenburg, zum neuen Oberhaupt der Republik - ein Ereignis, das Erschütterung bei den Demokraten im In- und Ausland auslöst. Zeigt dieses Ergebnis doch, wie viele Menschen noch dem alten System und seinen nationalistischen Bestrebungen verhaftet sind. Den Einfluß reaktionärer Kräfte innerhalb des Beamtenapparates der Weimarer Republik beweist auch die Wiederzulassung der Nationalsozialisten. Bereits im Februar, nicht einmal eineinhalb Jahre nach dem mißglückten Münchener Putsch, kann Adolf Hitler die NSDAP neu gründen und wenige Monate später seine programmatische Schrift »Mein Kampf« veröffentlichen. Daß seine agitatorischen Auftritte von der Öffentlichkeit kaum beachtet werden, hat seine Ursachen in dem relativen Wohlstand größerer Bevölkerungskreise als Folge einer aufstrebenden Wirtschaft. Mit dem Inkrafttreten des Dawesplans aus dem Jahr 1924 wurde Deutschlands dringendste Forderung seit dem Abschluß des Versailler Vertrags erfüllt: Eine ökonomisch vertretbare Regelung der Reparationszahlungen. Ausländische Gelder fließen nun in die deutsche Wirtschaft. Die Industrie kann modernisieren, rationalisieren und wieder als emstzimehmender Konkurrent auf dem internationalen Markt auftreten. Die so ermöglichte ökonomische Stabilisierung bringt Beruhigimg in die politische Landschaft. Radikalisierungstendenzen rechter und linker Gruppen zu Beginn des Voijahres weichen einer Stärkung der Parteien der Mitte. Zwar beteiligen sich erstmals seit Bestehen der Weimarer Republik die Völkischen an der Regienmg, doch können ihre Minister trotz intensiver Bemühungen - gemeinsam mit den Deutschnationalen - die Unterzeichnung des Locarnopakts Ende des Jahres nicht verhindern. Mit diesem Vertrag verbinden sich die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden in Europa. Die Einigung über die Grenzen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich, der Abzug der alliierten Besatzungstruppen aus den Rheinlandzonen und dem Ruhrgebiet könnten die Voraussetzung für ein Ende des Völkerhasses in Europa sein. ökonomische Konsolidierung ist auch ein Ziel der Regierungen in den übrigen europäischen Ländern. Frankreich ergreift Maßnahmen gegen inflationäre Tendenzen, und die Sowjetunion rümmt endgültig Abschied von der These der Weltrevolution. Die Tatsache, daß sich der Kapitalismus nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs wieder gefestigt hat, veranlaßt Stalin zur Propagierung des sozialistischen Aufbaus nur in seinem Land sowie zur Ein-schwörung der internationalen kommunistischen Bewegung auf seinen Kurs. Nicht mehr Umsturz ist das aktuelle Ziel, sondern Einflußnahme z. B. über die Gewerkschaften. Das bedeutet ein Zurückdrängen radikaler Kreise in den kommunistischen Parteien, im Deutschen Reich die Ablösung der linken KPD-Führung durch Emst Thälmann. Der Aufschwimg im wirtschaftlichen und politischen Bereich spiegelt sich auch in einer breiten Kulturentfaltung wider. Einflüsse einer rasant voranschreitenden Technik sind in allen Bereichen der Kunst sichtbar, in Musik, Literatur, Theater, Malerei und Design. Der zum Symbol dieser Jahre gewordene Begriff der »goldenen Zwanziger« geht vor allem auf die Unterhaltungsindustrie zurück, auf ihren Flitter und grellen Schein. Aufwendige Revuen, ekstatische Tänze wie Charleston, Shimmy, Black Bottom und die aus Amerika importierte Jazzmusik bestimmen das Nachtleben der Großstädte. Die neue Kunst will nicht mehr das Pathos des Expressionismus, sondern die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Sichtbar viird dies in den erstmals in Mannheim ausgestellten Bildern der »Neuen Sachlichkeit« und im Programm des »Bauhauses«. Nach dem Weggang aus Weimar und der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs in Dessau formuliert das »Bauhaus« als Ziel eine funktionelle Gestaltung der Umwelt des Menschen, ein Zusammenführen von Kunst und Technik. Neu ist auch der Einsatz des modernen Mediums Film auf der traditionellen Bühne des Theaters. Für die monumentale Aufführung der proletarischen Revue »Trotz alledem« anläßlich des 10. Parteitages der KPD in Berlin verwendet Erwin Piscator erstmals FUmausschnitte und Fotoprojektionen. Die Einbeziehung der Ebene des Unbevnoßten in die Kunst dokumentiert die Ausstellung der Surrealisten in Paris. Erstmals zeigen hier die Künstler gemeinsam ihre Werke, die u. a. von der Psychoanalyse Sigmund Freuds sehr stark beeinflußt wurden. Internationale Aufmerksamkeit ganz anderer Art erregt eine weitere, im AprUinderfranzösischen Hauptstadt veranstalteteAussteUung, die »Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes«. Ästhetisch durchgestaltete und aus edlen Materialien gefertigte Inneneinrichtungen, Stoffe, Mode und kunstgewerbliche Ensembles zeigen weniger eine zwiespältige zerrissene Realität, sondern die Schönheit einer künstlichen Welt. Antonia Meiners < Ein historischer Moment: Das Vertragswerk von Locamo wird am 1. Dezember in London offiziell unterzeichnet

Termékadatok

Cím: Chronik 1925 [antikvár]
Szerző: Antonia Meiners
Kiadó: Chronik Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3611000698
Méret: 240 mm x 300 mm
Antonia Meiners művei
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