Bővebb ismertető
Welcher Name könnte den Eingang zu diesen Blättern würdiger schmücken, als jener des Mannes, dessen unübertroffenem Quellenwerke über den unsterblichen Tondichter sich enge anzuschließen, eine der Hauptbestimmungen dieser Schrift ist? Nehmen Sie, verehrter Freund, dieselbe, wie sie geboten wird, aus vollem Gemüte, das sich gedrungen fühlt, seinem Danke für so reichlich Gewährtes einen öffentlichen Ausdruck zu geben.
Als ich Ihnen vor längerer Zeit meine bereits vorgeschrittene Arbeit vorlegte, traf es sich, daß Sie selbst an die gleiche Aufgabe sich zu machen im Begriffe waren, ohne daß einer etwas von des andern Vorhaben wußte. Da Sie jedoch mit dem Plane und dem Teile des bereits von mir Ausgeführten einverstanden waren, traten Sie mir eine Fülle unschätzbaren Materiales zur Benützung für meine Zwecke in einer Weise ab, die von keiner Anerkeimung erreicht werden kann. Darauf beschränkte sich aber Ihre Güte nicht; denn noch während der Fortbildung meiner Arbeit ermüdeten Sie nicht, ihr fortdauernd Ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, und mannigfache fruchtbringenden Winke zu geben. Wie sehr ich dadurch gefördert wurde, bin ich weit entfernt zu verkennen. Dennoch muß ich gestehen, daß ich Ihrem großen Werke zuweilen etwas weniger Genauigkeit gewünscht hätte. Denn da für einen Forschenden nicht leicht etwas erfreulicher kommen kann, als das Auffinden von bisher Unbekanntem, so sah ich mich öfter empfindlich enttäuscht und genötigt, die schon ausgesteckten Flaggen be.scheiden wieder einzuziehen, nachdem ich bei wiederholter Durchsicht in dem Winkel irgendeiner Anmerkung Ihres Buches entdecken mußte, daß Sie schon vor mir auf derselben Fährte gewesen seien. Kaum gelang es mir, eine mäßige Nachlese von Neuem zusammenzubringen. Doch liegt ja nicht darin der Kern der Sache: das vorhandene, allenthalben zerstreute Material zu sammeln, zu sichten und zu ordnen, daß man das Wissenswerte leicht und an seiner Stelle finde, vertrauenerweckende Verläßlichkeit und Rechtfertigung der Angaben — das erschien mir die Hauptsache bei einem solchen Unternehmen. Wie weit es mir gelungen ist, ein solches Ziel zu erreichen, mag die Folge zeigen; gestrebt habe ich darnach und was ich mir vielleicht anrechnen darf: ich hatte den Mut den ersten Wurf in dieser Richtung zu wagen, auf die Gefahr hin — auch fehlzuschießen. Wie es aber auch kommen möge, der Beistimmung einiger darf ich sicher sein, und wenn ich unter diesen einigen auch Sie, mein Freund, annehmen dürfte, so könnte ich meine aufgewendete Zeit und Mühe nicht für verloren halten.
Salzburg, Ende März 1862.
L. R. von Kochel.
Vorwort')
Solange in der Musik — Originalität Reichtum Schwung Feuer der Erfindung, Anmut Innigkeit Kraft der Melodie, Wohllaut und Neuheit der Harmonie, vollendete dramatische Charakterzeichnung, tiefe Kenntnis der musikalischen Architektonik und überall herrschendes Maß dem Komponisten Anspruch auf dauernden Ruhm gewährt, darf man um die Unvergänglichkeit des Namens W. A. Mozart nicht besorgt sein. Diese freudige Anerkennung wurde dem Meister bei seinen Lebzeiten, sie blieb ihm in den ersten 70 Jahren nach seinem Hinscheiden, und wird, hoffen wir, auch in kommenden Zeiten nicht schwinden. Wenn ferner durch Mozarts Musik das unbefangene, empfängliche Gemüt in seinem Innersten erfaßt, gehoben, beseligt, daher veredelt wird, wie dies einst geschah, noch jetzt geschieht und zuversichtlich .solange geschehen whd, als die menschliche Natur sich nicht wesentlich ändert — so darf auch das kulturhistorische Moment des Wirkens dieses Meisters nicht bezweifelt werden. Dies alles und noch weit mehr ist in einem Werke entwickelt, das uns Mozart als Mensch und Künstler erschöpfend darstellt und alles früher über diesen reichhaltigen Gegenstand Geschriebene weit zurückläßt. Der musikkundige Leser hat längst erraten, daß damit nichts anderes als »W. A. Mozart von Otto Jahn« gemeint sein könne. Eben das Erscheinen eines so umfang- und gehaltreichen Werkes mußte den Wunsch nach einem Apparate rege machen, dasselbe mit Bequemlichkeit zu lesen — zu studieren, möchte ich lieber sagen; nach einem Apparate, der uns die in der Biographie besprochenen Kompositionen nach ihren Teilen, ihrem Umfange, in ihrer Zeitfolge thematisch dem Auge vorführt und, da nicht alles in dem biographischen Werke besprochen werden konnte, auch das Nichtbespro-chene einfügt, kurz ein chronologisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Mozarts mit einigem Beiwerk, wie es einem Freunde seiner Musik willkommen sein könnte. Unter solchen und verwandten Betrachtungen kam diese Schrift zustande, wobei nur zu verwundern ist, daß 70 Jahre vergehen konnten, ehe ein ähnlicher Gedanke zum ersten Male ins Leben trat. Während dieser langen Frist gingen leider eine Menge lebender und lebloser Behelfe zu einer derartigen Zusammenstellung verloren. Mozarts Zeitgenoasen waren bis auf wenige Greise, die zu seinen Zeiten Kinder waren, für immer verstummt; Autographe wanderten von Hand zu Hand — manchmal auch in eiserne Hand —, vieles wurde verzettelt, während über ein Drittel aller Kompositionen nie durch den Druck veröffentlicht wurde, so daß es sehr überraschend ist, daß die Liste der verlorengegangenen und verschollenen Kompositionen nicht größer ausfallen mußte. Außerdem hatte schon während Mozarts Leben die Gewinnsucht auf ihren eigentümlichen Wegen sich des geistigen Eigentums desselben bemächtigt und mangelhafte Ausgaben veranlaßt oder nachgedruckt, fremde Machwerke mit dem Namen Mozarts publiziert, eigenmächtig Übertragungen vorgenommen, ohne das ursprüngliche Werk zu nennen, mit Einem Worte, das größere Publikum blieb, ungeachtet der Meinung seinen Mozart zu kennen, in Unkenntnis des vollen Umfanges seiner Kunsttätigkeit. Diesem Irrtum zu begegnen und eine alte Schuld an den so oft gepriesenen und doch in seinem eigensten Wesen nie genau gekannten Meister abzutragen, war ein Bestimmungsgrund mehr zu der vorliegenden Arbeit. Allein auch von allem dem abgesehen muß die Darstellung des Bildungsganges eines Künstlers, wie Mozart, unmittelbar an seinen Werken, sein frühes kühnes Ergreifen der höchsten Ziele der dramatischen Musik, sein wunderbar schnelles Aufwärtaschreiten, das Erreichen der Gipfelhöhe seines Wirkens — nicht seines Genies —, das tragische Verklingen seines Kunstlebens in seinem Requiem mit allen dazwischen liegenden Kunstphasen — dem Historiker, Kritiker, Ästhetiker und Jünger der Kunst ein
') Das Vorwort zur 2. Auflage weicht an einigen Stellen von der Fassung der 1. Auflage ab. Diese Änderungen stammen aus der Feder Kochels, der sie in seinem Handexemplare anordnete.