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Vorwort')
Solange in der Musik — Originalität Reichtum Schwung Feuer der Erfindung, Anmut Innigkeit Kraft der Melodie, Wohllaut tmd Neuheit der Harmonie, vollendete dramatische Charakterzeichnung, tiefe Kenntnis der musikalischen Architektonik und überall herrschendes Maß -r- dem Komponisten Anspruch auf dauernden Ruhm gewährt, darf man um die Unvergänglichkeit des Namens W. A. Mozart nicht besorgt sein. Diese freudige Anerkennung wurde dem Meister bei seinen Lebzeiten, sie blieb ihm in den ersten 70 Jahren nach seinem Hinscheiden, und wird, hoffen wir, auch in kommenden Zeiten nicht schwinden. Wenn femer durch Mozarts Musik das unbefangene, empfängliche Gemüt in seinem Innersten erfaßt, gehoben, beseligt, daher veredelt wird, wie dies einst geschah, noch jetzt geschieht und zuversichtlich .solange geschehen wird, als die menschliche Natur sich nicht wesentlich ändert — so darf auch das kulturhistorische Moment des Wirkens dieses Meisters nicht bezweifelt werden. Dies alles und noch weit mehr ist in einem Werke entwickelt, das uns Mozart als Mensch und Künstler erschöpfend darstellt und alles früher über diesen reichhaltigen Gegenstand Gteschriebene weit zurückläßt. Der musikkundige Leser hat längst erraten, daß damit nichts anderes als »W. A. Mozart von Otto Jahn« gemeint sein könne. Eben das Erscheinen eines so umfang- und gehajtreichen Werkes mußte den Wimsch nach einem Apparate rege machen, dasselbe mit Bequemlichkeit zu lesen — zu studieren, möchte ich lieber sagen; nach einem Apparate, der uns die in der Biographie besprochenen Kompositionen nach ihren Teilen, ihrem Umfange, in ihrer Zeitfolge thematisch dem Auge vorführt und, da nicht alles in dem biographischen Werke besprochen werden konnte, auch das Nichtbespro-chene einfügt, kurz ein chronologisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Mozarts mit einigem Beiwerk, wie es einem Freunde seiner Musik willkommen sein könnte. Unter solchen und verwandten Betrachtungen kam diese Schrift zustande, wobei nur zu verwundern ist, daß 70 Jahre vergehen konnten, ehe ein ähnlicher Gedanke zum ersten Male ins Leben trat. Während dieser langen Frist gingen leider eine Menge lebender und lebloser Behelfe zu einer derartigen Zusammenstellung verloren. Mozarts Zeitgenossen waren bis auf wenige Greise, die zu seinen Zeiten Kinder waren, für immer verstummt; Autographe wanderten von Hand zu Hand — manchmal auch in eiserne Hand —, vieles wurde verzettelt, während über ein Drittel aller Kompositionen nie durch den Druck veröffentUcht wurde, so daß es sehr überraschend ist, daß die Liste der verlorengegangenen und verschollenen Kompositionen nicht größer ausfallen mußte. Außerdem hatte schon während Mozarts Leben die Gewinnsucht auf ihren eigentümlichen Wegen sich des geistigen Eigentums desselben bemächtigt und mangelhafte Ausgaben veranlaßt oder nachgedruckt, fremde Machwerke mit dem Namen Mozarts publiziert, eigenmächtig Übertragungen vorgenommen, ohne das ursprüngliche Werk zu nennen, mit Einem Worte, das größere Publikum blieb, ungeachtet der Meinung seinen Mozart zu keimen, in Unkenntnis des vollen Umfanges seiner Kunsttätigkeit. Diesem Irrtum zu begegnen und eine alte Schuld an den so oft gepriesenen und doch in seinem eigensten Wesen nie genau gekannten Meister abzutragen, war ein Bestimmungsgrund mehr zu der vorliegenden Arbeit. Allein auch von allem dem abgesehen muß die Darstellung des Bildungsganges eines Künstlers, wie Mozart, unmittelbar an seinen Werken, sein frühes kühnes Ergreifen der höchsten Ziele der dramatischen Musik, sein wunderbar schnelles Aufwärtsschreiten, das Erreichen der Gipfelhöhe seines Wirkens — nicht seines Genies —, das tragische Verklingen seines Kunstlebens in seinem Requiem mit allen dazwischen hegenden Kunstphasen — dem Historiker, Kritiker, Ästhetiker imd Jünger der Kunst ein
Daa Vorwort zur 2. Auflage weicht an einigen Stellen von der Fassung der 1. Auflage ab. Diese Änderungen stammen aus der Feder Köohels, der sie in seinem Handexemplare anordnete.