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Zufällige Umstände gaben den Anstoß zu dieser Lebensbeschreibung. Seit einigen Jahren fahre ich regelmäßig im Juni zum Besuch eines Theaterfestivals nach Rom. Tagsüber ohne Termine, verbrachte ich bei solchen Gelegenheiten jedesmal viel Zeit mit dem Erkunden der Trümmer und Ruinen auf dem Forum Romanum, dem zentralen Platz der antiken Stadt. Im Laufe so vieler Jahrhunderte ist an jeder Stelle des nicht sonderlich großen Areals so viel geschehen; jeder Stein hat etwas zu erzählen Irgendwann entsann ich mich dann, daß es Cicero ist, aus dessen Schriften allein das Forum dem Leser als ein Zentrum des öffentlichen Lebens noch heute frisch wie am ersten Tag entgegentritt. Hier ist er - als Studierender, als Politiker, als Anwalt (genauer gesagt, als Gerichtspatron oder Sachwalter) - fünfzig Jahre lang seiner Arbeit nachgegangen. Ich nahm von neuem seine Schilderungen der Welt, in der er lebte, zur Hand, und der Gegenstand ließ mich nicht mehr los. So kam es zu diesem Buch.In den Zeiten, als der Lateinunterricht noch breiten Raum in den Lehrplänen der höheren Bildungsanstalten einnahm, war Cicero der Horror aller Schüler, galt er ihnen doch als geschwätziger, geschwollener Langweiler. Gründlicher kann man ihn nicht verkennen. Den möchte ich sehen, in dem die Lektüre seiner Briefe nicht Interesse weckt für die furchtlose, stolze, hochherzige Persönlichkeit des Schreibers. Der wirkliche Mensch war sehr viel komplizierter, als er sich im Urteil der Gegenwart widerspiegelt -er war ein introvertierter Typ, der die denkbar öffentlichste Lebensform wählte, ein Intellektueller und philosophischer Kopf, der für die vita activa optierte.Wie bei so vielen gerade der sympathischsten historischen Gestalten spielt der Mißerfolg in diesem Leben eine ebenso bedeutsame Rolle wie der