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Peter Friedli Vorwort
«Ciaire Brunner- Kunstmalerin». An Selbstvertrauen fehlte es der Hochbegabten nicht - schon ihre Kinderzeichnungen signierte sie in dieser eindeutigen Art. Bäuerin auf dem väterlichen Hof, Buffetdame in einer ländlichen Beiz? Nie! Nein, Künstlerin war ihr Ziel! Die Familie schüttelte den Kopf über dem ewigen «Gschtürm». Der mächtige Vater, gewohnt ans Spalier beim Züchten der Obstbäume und an die Kandare beim Dressieren der Zugpferde, setzte auf seine Autorität als Dorfmagnat.
Aber er täuschte sich - Claire Brunner weigerte sich, und warf den Heurechen und die Kellnerinnenschürze hin. Sie absolvierte eine Ausbildung als Porzellanmalerin, nahm Malstunden bei einem bekannten Berner Malerehepaar und verbrachte ihre Freistunden am Klavier. Sie wollte nun mal Künstlerin werden, ihre sprudelnden Phantasien umsetzen, und sie musste frei werden, um den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das Schicksal belohnte ihre Zähigkeit, sie brachte ihr zeitlebens den Kontakt mit fördernden Menschen, die an sie glaubten und die Qualität ihrer Malerei erspürten. Der Widerstand des bäuerlichen Umfeldes war - im nachhinein - eine grosse Chance, förderte ihre Kapazität und stählte ihren Durchhaltewillen. In grimmigem Humor kann die alte Kämpferin dies heute analysieren.
Eine Einzelgängerin ist Claire Brunner zeitlebens geblieben. Als die Schweizer Nachexpressionisten immer noch ihre heroischen Landschaften zelebrierten, wandte sie sich der Abstraktion zu, die sie konsequent, zunächst über die Umsetzung der Natur- und Musikeindrücke, später völlig frei in reine Malerei unter Verzicht auf zeichnerische Elemente ausschwingen Hess. Das CEeuvre der arbeitsintensiven und phantasievollen Malerin ist beeindruckend, kraftvoll und reichhaltig; ihr Fundus lässt sich kaum abschreiten. Die malerischen Vorbilder zählt sie ohne Zögern auf: Paul Klee, Italo Valenti, Mark Rothko. Das vorliegende Buch von Inga Vatter-Jensen und Carola Muysers ist ein spätes Geschenk für eine grosse Künstlerin in der helvetischen Kulturlandschaft des 20. Jahrhunderts und eine Aufforderung an die heutige Generation, die Augen offen zu halten für die Einzelgängerinnen und Einzelgänger des gegenwärtigen Kulturbetriebes, die ihre Brücken zum Mief des Alltags abbrechen und den eigenen Weg beschreiten, unbeirrt von -ismen und zaghaften Vorhaltungen, doch dankbar für die Signale freundschaftlichen Verstehens.