Bővebb ismertető
Einführung
Terence Pepper
In den 20er und 30er Jahren war Hollywood gewissermaßen Schauplatz und szenischer Hintergrund für ein Goldenes Zeitalter der Filmproduktion. Die großen Studios jener Zeit wie Columbia, RKO, Universal, Paramount, United Artists, Warner Brothers und MGM wetteiferten miteinander, um ein williges Publikum in ihre dem Alltag entrückte Phantasiewelt zu locken und eine Vielfalt kreativer Talente an sich zu binden, mit denen man möglichst aufsehenerregende Filme herstellen konnte.
Das finanziell - und nach eigener Einschätzung auch künstlerisch - erfolgreichste Filmstudio, das die größte Anzahl von Stars unter Vertrag hatte, war Metro-Goldwyn-Mayer. Die Firma, seit der Fusion 1924 vom patemalistischen Louis B. Mayer geführt, dem der überaus talentierte Produktionschef Irvin Thalberg zur Seite stand, posaunte aufgrund ihrer Vorrangstellung den Slogan hinaus, sie hätte »mehr Stars, als es Sterne am Himmel gibt«. Auf diesem von Glamour und Kommerzdenken geprägten Parnaß arbeitete Clarence Sinclair Bull von den Anfangsjahren des Studios bis zu seiner Pensionierung 1961 im Rang eines Chef-Portrai-tisten. Nahezu vierzig Jahre lang schufen Bull als Leiter der Standphotoabteilung und die ihm unterstellten Photographen die Wunschbilder jener Zeit, die das Studio samt seinen Stars tief im Bewußtsein der Menschen verankerten. Von 1918 bis 1961 photographierte Bull an die 10 000 Sujets und machte 4 000 Einzelauf-nahmen von Greta Garbo. Nach seinem Tod 1979 rühmte Variety in einer Hommage seine »maßstabsetzenden Portraits« all der Stars, die er abgelichtet hatte. Seine Starbilder waren vielen Menschen vertraut, aber nur wenige kannten deren Schöpfer. In den 30ern war Greta Garbo sicherlich die zugkräftigste, einprägsamste Filmschauspielerin ihrer Zeit; sie hatte die größte Fangemeinde, deren sich ein Star damals rühmen konnte. Von 1929 bis zu ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft 1941 gestattete die wohl Öffentlichkeitsscheueste Ak-
trice nur Clarence Sinclair Bull, sie zu portraitieren. Während der Dreharbeiten reservierte sie jeweils ein, zwei Tage für die Arbeit in Bulls Photostudio. Gemeinsam gelangen ihnen Bilder von magischem, traumhaftem Reiz, die zu den klassischen Schöpfungen der Por-traitphotographie in Hollywood zählen. Diese fruchtbare Zusammenarbeit von Photograph und Modell läßt sich mit anderen, ähnlich kreativen Beziehungen in diesem Metier vergleichen, wie etwa denen zwischen Arnold Genthe und Isadora Duncan, Alfred Stieglitz und Georgia O'Keeffe, Baron De Meyer und Nijinskij oder Sir Cecil Beaton und der königlichen Familie in England.
Die Literatur über die Geschichte des Films, über Stars und Regisseure ist mittlerweile beträchtlich angewachsen, aber es gibt bezeichnenderweise nur wenige Bücher über die beachtlichen Fähigkeiten der Stand-und Portraitphotographen der diversen Filmstudios. Dazu gehören - teils von Ghostwritem geschriebene -Autobiographien wie George Hurrells The Hurrell Style (1977) oder Bulls - zusammen mit Raymond Lee verfaßtes - Buch The Faces of Hollywood (1968), das, alphabetisch geordnet, 250 seiner Portraits und kurze Begleittexte enthält. Weitere Einzeldarstellungen wie John Engsteads Star Shots (1978) oder Roman Freulichs Forty Years in Hollywood: Portraits of a Golden Age (1971), mögen sie vom Photographen selbst oder zusammen mit ihm verfaßt worden sein, werden dem Mann hinter der Kamera nur in beschränktem Maß gerecht. Hold Still Hollywood (1937), ein einfühlsames Buch des Wamer-Brothers-Produktionsphotographen Bert Longworth, hebt sich da ab, was die Darstellung des kreativen Elans all der talentierten Filmstudio-Photographen angeht, deren Arbeiten häufig, aber zumeist anonym veröffentlicht wurden. Das Buch Masters of Starlight (1988), anläßlich einer großen Ausstellung im Los Angefes Museum of Art publiziert, stellt 44 von etwa 300 Photographen vor, die zwischen 1918 und 1973 in