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Wege in den Salon
Wie das Programm für ein langes und fruchtbares Malerleben wirkt ein Stilleben, das Claude Monet zu Beginn seiner Laufbahn gemalt hat (Abb. S. 6). IMalerutensilien wie Pinsel, Malkasten und Palette sind mit Büchern und Waffen auf einem gedrechselten Tisch drapiert und vor dem Hintergrund einer Tapete wiedergegeben, auf der sich Pflanzen, Wasser und exotische Vögel in der Art alter Gobelins miteinander verwoben finden. Der junge Künstler bemüht sich, die feuchtglänzende Farbe und den matten Samt der Mütze, den ausgetrockneten Buchdeckel und das Metall der Gewehrbeschläge sorgfältig wiederzugeben, um damit seine malerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ungewöhnlich ist dieses Bild schon wegen des Kontrastes zwischen den eher spröden Gebrauchsgegenständen und der tropischen Flußlandschaft mit ihren wuchernden Formen, ein Kontrast auch zwischen der tonigen Stimmung des Interieurs und der feuchten Kühle der luxuriösen Tapete.
Bemerkenswert ist jedoch dieses frühe Bild wegen seines hellen Leuchtens, das den Betrachter in seinen Bann schlägt. Auf der abgelegten Palette findet sich neben Resten von Grün, Rot und Schwarz ein dicker Klumpen feuchter Farbe: Bleiweiß. Von dieser frischen, weißen Farbmasse geht das Licht des Gemäldes aus und erhellt den ganzen Raum, es erhellt ein ganzes Malerleben. Das Licht ist das Programm.
Claude Monet ist der Maler des hellen Tages, der Maler des Himmels, des Schnees, der sich im Wasser reflektierenden Wolken, er ist der erste Maler, der fast monochrom weiße Bilder gemalt hat. Bis ins Alter und bis in die Tiefe seiner späten Bilder vom Seerosenteich hat er den reinen Farben dieses Weiß beigemischt und damit den dumpfen Ton des schummrigen Interieurs, der in diesem Bild noch deutlich vorherrscht, aus der Malerei vertrieben. Monet ist der Maler des Lichts.
Zu seiner Zeit, in der Einzelausstellungen noch nicht üblich waren, galt der alle zwei Jahre abgehaltene Pariser Salon für die französischen Maler als Podium und Markt ihres Schaffens. Sechs Wochen lang führten hier lautere Kunstmaler und eifrige Eleven, hochfahrende Kopisten und ab und an auch mal ein begnadeter Künstler ihre neuesten Werke einem Publikum vor, das mit Lob und Kritik nicht gerade sparsam war. Während bei dem vorwiegend aristokratischen Publikum des 18. Jahrhunderts eine gewisse Kennerschaft für die Schönen Künste vorausgesetzt werden konnte, war der Salon ein Jahrhundert später zum amüsanten Sonntagsvergnügen für jedermann geworden. Die zur herrschenden Klasse aufgestiegenen wohlhabenden Bürger und alle, die ihnen nacheiferten, flanierten mit Hut und Stock, in rauschenden Roben und unter losen Reden durch das Palais de ITndustrie, in dem seit der Weltausstellung von 1855 der Salon stattfand. In erster Linie wollte man unterhalten werden. Die Kritiker, die in den beliebten Journalen, wie dem »Journal de Rite« oder dem »Charivari« oft über mehrere Seiten die im Salon gezeigten
Der Notar Léon Marchon, um 1855/56 Mit Karikaturen, in denen er ehrbare Bürger und Personen des öffentlichen Lebens aufs Korn nahm, erwarb sich Monet in seiner Heimatstadt Le Havre den Ruf eines begabten Zeichners und Bürgerschrecks.
Atelierstilleben, 1861