Bővebb ismertető
Eine helfende Hand
Jetzt, am Ende meines Lebens, geht es mir gut. Ich kann in Wien leben, wo ich geboren wurde, werde nicht verfolgt. Kann mit 80 immer noch in meinem Beruf als Schauspieler arbeiten, einem Beruf, den ich mir selbst ausgesucht habe und der mir immer noch Freude macht. Ich wohne in einer schönen Wohnung und habe nie Hunger. Das alles war nicht immer so.
Als ich 16 war, wurde Österreich dem Nazireich einverleibt. Ich durfte nicht mehr in die Schule gehen, meine Familie wurde delogiert, mein Vater verhaftet, weil er Jude war. Ich hatte noch Glück im Unglück, denn ich konnte mit einem Kindertransport nach England entkommen, während meine Eltern ans andere Ende der Welt flüchten mussten, nach Shanghai. In England habe ich mich als unbegleiteter jugendlicher Flüchtling irgendwie durchgeschlagen, war Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft und in einer Lebensmittelfabrik, Geiger, Flickschuster und Metallarbeiter und noch so allerlei. Es gab auch Zeiten, wo ich absolut nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Aber da fand sich immer jemand, der mir geholfen hat. Diesen Menschen, die alle schon tot sind, statte ich jetzt meinen Dank ab, indem ich versuche, jenen weiter zu helfen, die heute in Not sind. Millionen sind das. Und ich kann nur für einige wenige etwas tun. Und dennoch für jeden Einzelnen von ihnen wird das ganze Leben verändert durch einen, der nicht vergessen hat, dass sein Leben seinerzeit gerettet wurde durch Menschen, die, auch wenn sie nicht allen helfen konnten, doch einigen halfen. Als der Nazispuk vorüber war, bin ich nach Wien zurückgekommen und habe erfahren, dass meine Großeltern, die nicht flüchten konnten, während des Krieges in einer Gaskammer des Vernichtungslagers Treblinka umgebracht worden waren. Die Kosten für ihren Tod mussten sie selbst tragen, da ihre Bank, die Creditanstalt, ihr Bankkonto der Gestapo für die »Judenumsiedlung« übergeben hatte.