Bővebb ismertető
Wollten wir die in die Kunstgeschichte eingegangenen Künstler in eine beständige Rangordnung bringen, unabhängig von einem zeitgebundenen Schönheitsideal, dann könnte es nur danach geschehen, inwieweit sie in ihrer Kunst etwas Neues geboten und dadurch stilbildend gewirkt haben. Der Grad solcher Wirksamkeit ist bezeichnend dafür, in welchem Maße ein Künstler die Anliegen seiner Zeit erkannt oder vorausgeahnt und dadurch die Entwicklung gefördert hat. Es ist hiermit der Gedanke des Fortschritts und der Fortschrittlichkeit in der bildenden Kunst verknüpft.
In einer solchen Rangordnung käme dem Maler Antonio Allegri, nach der Stadt seiner Geburt in Oberitalien Correggio genannt, einer der ersten Plätze zu, denn wie die Meinungen über ihn auch immer lauten mögen, hat er doch mit seinem Werk der Kunst ganzer Epochen das Gepräge geben helfen.
Das Städtchen Correggio, in dem er gegen Ende des 15. Jahrhunderts geboren wurde, liegt in der Emilia, jener Landschaft zwischen dem Po und dem Apennin, die seit alters ein wichtiges Durchgangsgebiet zwischen Nord- und Mittelitalien gewesen ist. Durch den Handel konnten hier eine ganze Reihe von Städten entstehen, die zum Teil als Sitz von Hochschulen berühmt wurden: Parma, Modena, Bologna, Ferrara und andere.
Obwohl Italien seit dem 14. Jahrhundert in viele Mittel- und Kleinstaaten zersplittert war, von denen die letzteren oft die Form von Stadtrepubliken hatten, wurde es dennoch zum fortgeschrittensten Land Europas. Auf der Grundlage des Mittelmeerhandels, der durch die Kreuzzüge gewaltig belebt worden war, hatten sich schon sehr früh, besonders in Oberitalien, die Anfänge kapitalistischer Wirtschaftsformen gebildet und die Voraussetzungen für das Entstehen einer neuen Kultur, der Renaissance, geschaffen, deren Beginn die Überwindung des vom kirchlichen Weltbild bestimmten Mittelalters bedeutet. War vorher das Denken und Streben der Menschen ganz auf Jenseitiges gerichtet, so begann man jetzt, die Welt zu entdecken und sie sich in ihrer ganzen Vielfalt und Schönheit zu eigen zu machen, wobei die bildende Kunst eine große Rolle spielte. Das Zentrum dieser Entwicklung war Florenz, während die Stadt Rom zunächst wenig Anteil daran hatte. Wirtschaftlich ohne große Bedeutung, hätte ihr höchstens das Papsttum eine gewisse Vormachtstellung sichern können; dieses war jedoch seit der Gefangenschaft der Päpste in Avignon immer mehr in Verfall geraten. Es nimmt uns daher nicht wunder, daß in jener Zeit viele und bedeutende Zentren der Malerei gerade in Oberitalien lagen und daß dieses Gebiet viele der Künstler hervorbrachte, die der Renaissance das Gepräge gegeben haben. Zu ihnen gehört auch Correggio. Seine Vorfahren waren kleine Gewerbetreibende und Ackerbauern, die erst wenige Generationen zuvor vom Lande in die Stadt gezogen waren — damit einer Entwicklung folgend, bei der das wirtschaftliche und kulturelle Schwergewicht sich immer mehr auf die Städte und das erstarkende Bürgertum verlagerte.
Die Quellen, die uns über das Leben von Antonio Allegri Auskunft geben sollten, sind spär-