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DIE OPERA BUFFA „COSI FAN TUTTE"
Eine echte Komödienhandlung der leichtesten Form, ein elegantes Stegreifspiel alter Maskentypen tanzt über die helle Bühne. Das ernste Liebespaar und neben ihm die heiteren Liebesleutchen, die durchtriebene, kupplerische Zofe, der skeptische Weiberfeind, der sich selbst den Philosophen nennt, sie sind uns wohlvertraute Typen der Mimuskomödie. Eine echte, unwahrscheinliche Komödienhandlung ist es auch, welche in Neapel, der Heimat der Opera buffa, uns vorgestellt wird. Zwei Liebhaber, die sogar Offiziere sind, lassen sich mit dem verstockten Misogynen in eine sehr unritterliche Wette über die Treue ihrer Bräute ein. Echt buffonesk verkleiden sie sich und suchen so, einer die Braut des anderen zu verführen. Die Frauen fallen bis in den Ehekontrakt. Nun geben sich die Männer zu erkennen und verzeihen. Die Liebesprobe und die Probe der Frauentreue gehörte zu den beliebtesten Possenstoffen. Wie der Teufel Asmodeus in Bernardon-Haydns Opera comique „Der krumme Teufel" dem Doktor Arnoldus die eingeborene Treulosigkeit der Frauen zeigt, so tut es hier der mephistophelische Alfonso. Wie dort Merline ihre zwei Liebhaber leichthin für sich sterben lassen will, diese aber doch von dem Weib nicht lassen können, so versöhnen sich auch hier, trotz bewiesener Untreue der Frauen, die beiden Paare. Finale in dulci jubilo.
Der wackere Rationalist zieht überlegen seine Stirne in die Höhe, setzt sich mit zwei Fingern die Brille zurecht, sieht Mozart mitleidig an und lächelt: „Unmöglich! Die Schwestern müssen ja ihre Verlobten erkennen!" Nein, Herr Professor, das tun die Schwestern eben nicht; denn nicht ihre verkleideten Bräutigame respektive künftigen Schwäger stehen vor ihnen, sondern die ihrem weiblichen Typus entsprechenden Verführertypen. Die Bräutigame sind stehende Masken oder, wenn Sie wollen, personifizierte Begriffe, und die Verführer oder Versucher sind es ebenfalls. Es sind bloß dieselben Darsteller, welche beide Begriffsanthropomorphismen spielen und wie ihre antiken Kollegen in der Komödie einfach zwei Rollen darstellen. Sie wechseln nur die Maske. Und Maske ist dieses ganze Theater. Darum zeigen diese Figuren, wenn der Vorhang fällt, auch keine Entwicklung. Sie bleiben wie sie sind. Die Handlung wächst nicht nach Lessings dramaturgischer Forderung aus den Charakteren, sondern aus den Situationen. Ruckweise springt eine Szene nach der anderen vor, jede eine Verwicklung für sich, welche sich vor unsern Augen löst, um einer neuen Platz zu machen. So ist es Mozarts Dramaturgie. Die sogenannten Helden sind nur die Marionetten einer Intrige, welche durch ebenso marionettenhafte Figuren angezettelt und von Situation zu Situation getrieben wird. In der Wette erscheinen die Männer noch frei; dann aber sind sie an Alfonsos Wort angebunden, welcher selbst wieder an seinem eigenen Wort hängt. Die Mädchen und ihre Zofe tanzen ebenfalls an den Fäden der Wette. Es schürzt und löst sich nur ein Handlungsknoten. Nicht um ein Haar klüger sind die Personen alle, wenn der Vorhang fällt, nicht um einen einzigen Charakterzug reicher und weiter. Nicht um einen einzigen? Das stimmt nicht ganz. Wäre „Cosi fan tutte" die echte italienische Opera buffa, wie