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Vorbemerkung
Wenn ein Schriftsteller ein Thema wählt, bei dem das Land, die gesellschaftlichen Verhältnisse und das Temperament der Menschen, die er schildert, nicht zu seinem persönlichen, unmittelbaren Erfahrungsbereich gehören, ist das der Gipfel der Unverschämtheit. Aber Schriftsteller sind unverschämt. Außerdem sind sie oft besessen von Themen, die außerhalb ihrer eigenen Erfahrung liegen. Und wenn ein Schriftsteller von einem Thema besessen ist, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als diesem Drang nachzugeben. Csárdás ist das Ergebnis meiner Besessenheit.
Auf den Titel kam ich, als ich in einem Dorf im nördlichen Ungarn zusah, wie ein sehr altes Paar tanzte. Der alte Mann war sehr groß und sehr schlank, seine Frau - in der Tracht der Landleute mit schwarzem Rock und Schultertuch - war winzig, so breit wie hoch, und reichte ihm kaum bis zur Brust. Man sollte meinen, daß sie wie ein nicht zueinander passendes komisches Paar ausgesehen hätten, aber das war nicht der Fall, und sie tanzten mit solcher Anmut, daß die jüngeren Tänzer alsbald innehielten und den beiden zuschauten und zum Schluß Beifall klatschten. Die Gesichter der beiden Alten waren von harten Zeiten, von schweren Jahren gezeichnet, zwei Weltkriegen, unzähligen Revolutionen, Zeiten der Besatzung - und das alles zusätzHch zu der allgemeinen Not der Armut, denn das Los der ungarischen Bauern ist nie leicht gewesen. Doch während ich den beiden zuschaute, sah ich sie plötzlich so, wie sie einst, vor fünfzig Jahren, gewesen sein mochten: er ein stattlicher junger Mann und sie ein hübsches Bauernmädchen. Und zwischen diesem jungen Paar und den beiden alten Menschen lag die ganze ehrenvolle und grausame Geschichte des ungarischen Volkes.
Jeden zu erwähnen, der mir bei diesem Buch geholfen hat, wäte unmöglich. So spreche ich hier allen Freunden, die ich in Ungarn gewann und die mir großzügig Hilfe und Gastfreundschaft gewähr-