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Lajos Németh - Csontváry [antikvár]
 
íaiíS CSONTVÁRY UND SEINE ZEIT Sind es. die mich befIDgeln." Motto «r Ctentvirr^uifMKuns Csontváry und seine Zeit. Hat es überhaupt eine Zeit gegeben, die die seine war? Halten wir nicht nur einen Zufall, bloße biologische Fakten fest, wenn wir darauf hinweisen, daß er im Jahre 1853 geboren wurde und im Juni 1919 starb - oder wie er gesagt hätte -in den Schoß der Urmaterie zurückkehrte, sich mit der welterhaltenden Kraft vereinigte? Sollten wirklich nur diese Sechsundsechzig Jahre seine Zeit gewesen sein? Waren sie es nicht...
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íaiíS CSONTVÁRY UND SEINE ZEIT Sind es. die mich befIDgeln." Motto «r Ctentvirr^uifMKuns Csontváry und seine Zeit. Hat es überhaupt eine Zeit gegeben, die die seine war? Halten wir nicht nur einen Zufall, bloße biologische Fakten fest, wenn wir darauf hinweisen, daß er im Jahre 1853 geboren wurde und im Juni 1919 starb - oder wie er gesagt hätte -in den Schoß der Urmaterie zurückkehrte, sich mit der welterhaltenden Kraft vereinigte? Sollten wirklich nur diese Sechsundsechzig Jahre seine Zeit gewesen sein? Waren sie es nicht vielmehr lediglich für seinen Körper, während sein Geist eine Epoche von sechstausend Jahren bewältigte und als seine Zeit begriff? Der Geist eines Künstlers, der die Geheimnisse der sechstausend Jahre alten Zedern erfaßte, der die Berge des Libanon durchwanderte und dem aus dieser weiten Perspektive all das, was in den letzten Jahrhxmderten geschah, wertlos und unreif erschien. Ist es also nicht ein sinnloses imd unmögliches Unternehmen, wenn wir versuchen, Csontvárys Werk aus den Ereignissen seiner Zeit, aus seiner gesellschafdichen Situation heraus zu verstehen? Gewiß bestand die Verbindxmg zu seinen Zeitgenossen fast nur in Telegrammen, in Briefen oder in den prophetischen Verwünschungen, die er für sie hatte, gewiß lebte er in einer selbsterschaffenen Welt imd setzte sich mit sechstausend Jahre alten Zedern auseinander - aber trotzdem war Csontváry seiner Zeit verbunden. Und alles, was in ihr geschah, interessierte ihn - vom Flugzeug bis zu den Parlamentsdebatten. Ständig grübelte er darüber nach, wie sich sein Land aus dem unwürdigen Elend und der Zurückgebliebenheit befreien könne. Der Briefwechsel, den er mit amtlichen Stellen führte, war ebenso als Tat für das Vaterland gedacht wie seine Kirnst, mit der er beweisen wollte, daß Ungarn ein Recht auf sein nationales und historisches Sein hat. Nichts war seinem Werk so fremd wie bloße Formexperimente, wie das intellektuelle Spiel der I'art pour Tart. Die Malerei interessierte ihn nicht an sich, sondern als Mittel, mit dessen Hilfe er sich Antwort auf seine Fragen verschaffen wollte. „Ich wollte alles wissen, auch ob ein Gott lebt oder nicht. Diesem Ziel mußte ich meine Jugend opfern - und ich tat es mit Freuden."^ Er wollte die letzten Fragen des Seins lösen, seine eigene Berufung und die seiner Nation beweisen. Daß dabei die Antworten, die er auch schriftlich formulierte, oft nur der unlogischen Logik seines verwirrten Gehirns entsprachen und daß der Wert seiner Kunst nicht immer dort liegt, wo er ihn selbst sah, das ändert nichts an den Tatsachen: Csontváry sah den wesentlichsten Problemen seiner Zeit ins Auge, weim er sie auch manchmal aus einem verzerrten Blickwinkel betrachtete und wenn sie mitunter auch nur mit Mühe in seinen Phantasmagorien zu erkennen sind. Natürlich war das Verhältnis Csontvárys zu seiner Zeit nicht ohne Widersprüche, und wegen der fortschreitenden Schizophrenie findet sich in seinen schriftlichen Äußerungen und seinen Handlungen neben Genialem auch viel Groteskes, ja Lächerliches. Die Kleinlichkeit und die Dekadenz seiner Zeit erfüllten ihn mit prophetischem Zorn. Mit der Zuchtrute des Asketen und mit Tolstoischer Abgeklärtheit geißelte er „den Irrtum des Kiiltur-menschen", er verehrte die uralte Freiheit der Beduinen und haßte als Demokrat jegliche Tjrrannei und Knechtschaft. Doch gleichzeitig schmerzte es ihn, daß die von ihm heißgeliebte Dynastie der Habsburger nicht die sozialistischen Lehren unterstützte, und aus der seiner Psychose entstammenden lächerlichen Königsverehrung heraus belegte er die dilettantischen Zeichnungen Franz Josephs mit Epitheta, die einem Meisterwerk zugekommen wären. Mit dem Schwung und dem Pathos des Dichters griff er den Krieg an, während er sich gleichzeitig als xmbedingten Anhänger der österreichisch-ungarischen Monarchie bezeichnete. Es wäre ein vergebliches Unterfangen, all die unvereinbaren Widersprüche aufzählen zu wollen; neben Gedanken, die beweisen, wie tief Csontváry in die Problematik seiner Zeit eindrang, finden sich einfache Albernheiten imd Torheiten. Doch Csontvárys Zeit waren nicht nur die Sechsundsechzig Jahre, in denen er lebte. Seine Wirksamkeit erstreckte sich auf einen viel größeren Zeitraum. Jeder große Künstler wächst über seine Zeit hinaus, denn er faßt eine Entwicklung zusammen und eröffnet gleichzeitig neue Wege für die weitere Entwicklung. So ist Rembrandts Zeit nicht nur das siebzehnte Jahrhundert in Holland, sie beginnt spätestens mit der Renaissance oder noch früher, mit der Geburt der althebräischen Mythen. Auch der Beginn von Csontvárys Zeit läßt sidi nicht auf die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fesdegen, sie fangt irgendwann bei Altamira an, bei Lascaux, bei der Geburt der Malerei. Er durchlebte die Vergangenheit nicht als Tradition, sondern als eine nie endende Gegenwart, denn wenn man die Welt von der Perspektive sechstausend Jahre alter Zedern aus betrachtet, dann verschwimmen die strengen

Termékadatok

Cím: Csontváry [antikvár]
Szerző: Lajos Németh Németh Lajos
Kiadó: Corvina Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 290 mm x 330 mm
Lajos Németh művei
Németh Lajos művei
Bolti készlet  
Vélemény:
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