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CARL ERNST KÖHNE
Glauben -Wissen-Heilen
Abendländische Medizin in Antike und Mittelalter
Organtransplantationen gehören heute fast schon zum Einmaleins moderner Chirurgie; daß sie nicht häufiger vorgenommen werden, liegt nicht an mangelndem Wissen oder fehlender ärztlicher Fertigkeit, sondern hängt oft nur damit zusammen, daß geeignete Transplantate und Spender nicht verfügbar sind. Diese Methoden der modernen Heilkunst, die der medizinische Laie als »Spitzenleistungen« empfindet - der Fachmann mag darüber durchaus anders denken -, beruhen auf einem Lernprozeß, der im Grunde so alt ist wie der Mensch selbst. Die Öffnung des Schädels (Trepanation) mittels scharfer Steinklingen kannte schon das Europa der jüngeren Altsteinzeit (40 000-8000 v. Chr.). Hautübertragungen, Bluttransfusionen und die grundlegenden Techniken der Geburtshilfe sind uns von griechischen Medizinern überliefert, die gleichwohl die Funktion der einzelnen Organe des Körpers nicht genau kannten. Kein Wunder - waren sie doch bei den ägyptischen Ärzten in die Lehre gegangen, deren anatomische Kenntnisse trotz langjähriger Erfahrung mit dem inneren Bau des menschlichen Körpers, die sie bei der Mumifizierung hochgestellter Persönlichkeiten sammeln konnten, gering geblieben waren. Dennoch gelangen ihnen Heilerfolge, die ihnen bei den Zeitgenossen einen überragenden Ruf verschafften.