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Das Konzil von Ferrara hatte 1438 die Ost- und Westkirche so einander angenähert, daß die Spaltung praktisch hätte beendet werde können. Der von Konstantinopel eingesetzte Moskauer Patriarch war auch ein eifriger Verfechter dieser neuen Einheit. Aber weder wollte der Großfürst in Moskau noch wollte der russische Klerus diese Lösung akzeptieren. Man fühlte sich im Besitz des allein wahren Glaubens, der keine Kompromisse zuließ. Politische Konsequenz dieser Haltung war - vor allem nach dem Fall Konstantinopels 1453 - das intensive Bestreben, alle »rechtgläubigen« Christen unter die Moskauer Obhut zu nehmen. Hier hatte inzwischen der Klerus einen eigenen Patriarchen gewählt, hier bildeten Staat und Kirche eine Einheit. Damit war die ideologische Grundlage für die erste große Expansionsbewegung des Moskauer Staates gegeben. Bemerkenswert ist die Methode, mit der Großfürst Ivan III. diese »Wiedervereinigungspolitik« - so auch heute noch der Terminus in den sowjetischen Geschichtsbüchern - betrieb. Zum wenigsten handelte es sich bei den dem Großfürstentum nun einverleibten Gebieten um militärische Eroberungen. Betrügerische Verträge und unbarmherzige Ausschaltung des politischen Gegners entsprachen eher dem Wesen dieses Großfürsten. Als Schulbeispiel mos-kowitischer Taktik erweist sich die Liquidierung der Republik Groß-Nowgorod: unter Ausnutzung religiöser Überzeugungen und sozialer Spannungen, durch Bestechung und durch Druck brachte der Großfürst eine der beiden großen Parteien der Stadt dahin, ihn schließlich als Schlichter und als »Befreier« ins Land zu rufen. Auf diese bewährte Weise wurde seither von Rußland noch manches Land »befreit«, und bis heute hat diese Methode nichts an Aktualität verloren. Ivan III., mit dem sich ein Artikel dieses Heftes beschäftigt, hat den russischen Zentralstaat geschaffen. Der Geist, in dem dieses Werk vollendet wurde, wirkt aber noch weit über seinen Tod hinaus.