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Damals
Ubiquandus fragt:
Wo und wann ist das passiert?
Der ebenso brillante wie umstrittene Mann mit seiner »glühenden Seele« hatte sich, obwohl bereits an die Vierzig, mit einer so bedingungslosen Leidenschaft in das schöne, temperamentvolle Mädchen, eine Einundzwanzigjährige, verliebt, daß er, der im Jahr zuvor zum Präsidenten einer zukunftsträchtigen politischen Vereinigung gewählt worden war und vor kurzem noch mit dem mächtigen Ministerpräsidenten verhandelt hatte, nun in eine Folge der kopflosesten Reaktionen stolperte — ja, in seinen Untergang.
Spontan verlobt mit der attraktiven Rothaarigen, aber von ihrer Familie nicht goutiert und am Ende von der Geliebten doch verschmäht, beschimpfte er das Mädchen in einem vehementen Brief an ihren Vater als »eine verworfene Dirne« und erhob gegen den Herrn »die Forderung der Satisfaktion«. In dem dadurch unvermeidlich gewordenen Duell trat ihm freilich nicht der beleidigte Vater, sondern stellvertretend der frühere und neue Verlobte des Mädchens, ein junger Magnat aus der Walachei, gegenüber. Ihm überließ er den ersten Schuß, der etwa fünf Sekunden nach dem Kommando des Sekundanten fiel und ihn, wie man etwas später registrierte, in den Unterleib traf. Unmittelbar darauf schoß auch er, der im Unterschied zu seinem Kontrahenten ein erfahrener Pistolenschütze war, verfehlte jedoch aus fünfzehn Schritten Distanz und stolperte dann zur Seite.
Er wurde in sein Hotel gefahren und mit Morphium behandelt. Die Wunde, die er davongetragen hatte, würde heutzutage sicher nicht zum Tode führen - damals aber wirkte sie tödlich. Drei Tage nach dem Duell starb der leidenschaftliche, alles in allem große Mann. Wie erheblich die Nachwirkung seines Lebens sein würde, signalisierte bereits seine Trauerfeier: 4000 Menschen nahmen an ihr teil. Wo und wann hat dieses Duell stattgefunden?
Die Lösung des Rätsels finden Sie auf Seite 270.
Titelbild: Der Herrscher auf dieser Miniatur wird allgemein mit Kaiser Otto
III. identifiziert. Ausgestattet mit den Insignien seiner Macht, thront er, umgeben von Klerus und Ritterschaft, den Stützen mittelalterlicher Herrschaft. - Miniatur aus einem Evangelienbuch, das um 998 entweder auf der Reichenau oder am kaiserlichen Hofe entstanden ist. f. Möller