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FRIEDHELM BÜTOW
I. Teil
Der Fall Slánsky
Ein stalinistischer Schauprozeß in der CSR * im Jahre 1952
»Wir waren vierzehn Angeklagte, vierzehn Sündenböcke, für die Öffentlichkeit mit allen Sünden, allem Unheil beladen; auf dem Altar des Sozialismus geschlachtete Sühneopfer!« (Artur London, Mitangeklagter)
»Die Wahrheit wird siegen!« (Wahlspruch von Jan Hus)
Am 20. November 1952 begann in Prag der große Schauprozeß gegen das »staatsfeindliche Verschwörerzentrum« um Rudolf Slánsky, Generalsekretär der KPTsch, Träger des »Ordens des Sozialismus« und stellvertretender Ministerpräsident. Mit ihm auf der Anklagebank saßen 13 weitere hohe Staats- und Parteifunktionäre, die sich im Verlaufe des Prozesses selber der schlimmsten Verbrechen bezichtigten und das Gericht um strengste Bestrafung baten. Als das Gericht am Ende des Prozesses im Namen der Republik elf Todesurteile und drei lebenslängliche Kerkerstrafen verhängte, schloß Slánsky mit den Worten: »Ich verdiene kein anderes Ende meines verbrecherischen Lebens . . . « Und alle Verurteilten erklärten: »Ich nehme meine Strafe an und verzichte auf mein Recht, Berufung einzulegen.« Was hatte sich da hinter den Kulissen abgespielt?
Die Abkürzung CSSR für ?eskoslovenskä Socialistickä ;?epublika isl erst seit Inkrafttreten der Verfassung vom 11. 7. 1960 staatsrechtlich gültig.