Bővebb ismertető
Durch die Eisengitter vor den niedrigen, noch nie geputzten Fenstern fielen sdiräge Balken fahlen Lichts. In unregelmäßigen Abständen glitten Schatten über die Fenster hin: jedesmal dann, wenn auf dem Bürgersteig Menschen vorübergingen. Doch die in den Kellern Eingesperrten erblickten nur die Füße und Beine der Passanten. Auf einer halb zerbrochenen Kiste hockten zwei junge Kerle. Ihre Augen hingen unverwandt an den länglichen Vierecken der Kellerluken. Manchmal sdiritt draußen ein Mädchen vorüber, nicht ahnend, daß man von der Tiefe her unter den kurzen Röcken die Knie und Schenkel sich bewegen sah. Dann flackerte in den Augen der beiden ein matter Blitz von Gier, und wie auf Kommando hob ein Seufzer ihre Brust. Hans Radmacher, der zwischen zwei Fenstern an der gekalkten Wand lehnte, hatte die beiden jungen Männer - Ukrainer vielleicht oder Finnen - lange beobachtet, ohne daß sie es zu fühlen oder zu beachten schienen; allzu ausschließlich beansprudite sie ihre verborgene Qual. Unbestimmt fiel dem Beobachter ein Roman von Dostojewski ein, auf dessen Titel er sidi nicht besinnen konnte. Darin hatte er von russischen Gefängnissen und Sträflingslagern gelesen; die Stunde hier und jetzt erinnerte ihn daran.
Ihm war, als erwadie er plötzlich aus einem wirren und unsinnigen Traum: drei Tage soll es erst her sein, daß ich aus Hamburg abgefahren bin? Der Vater und Susanne standen an der Pier? Die Elbe-Feuerschiffe glitten vorbei? Lange noch winkte dann das große Leuditfeuer von Helgoland am Horizont hinter uns her, wie ein nur zögernd verglimmender Stern? Alles das noch Deutschland - und jetzt?
Jetzt bin ich in einem staubigen, kalten Keller eingeschlossen! Gitter vor den Fenstern! Die Luft ist schwer von Ausdünstungen ungewasdiener Leiber, ist staubig, verbraucht, zum Sdineiden!