ie Bildnisse, die ein Jahrhundert den naclifoljjenden aufbewahrt, werden für die historische und kulturhistorische Neuj'jier der späteren Generationen zu einem Spief^el, in dem sich das Menschentum dieses Jahrhunderts in tausendfältigem Antlitz betrachten und prüfen läßt. Denn die Bildnisse von Menschen, gleichviel ob sie damals, als sie gemalt wurden, mit der Absicht objektiv ruhiger Wiedergabe einer Existenz geschaffen wurden oder ob sie mit dem Bewußtsein entstanden, die persönliche Deutung eines Menschendaseins zu geben — auf...
ie Bildnisse, die ein Jahrhundert den naclifoljjenden aufbewahrt, werden für die historische und kulturhistorische Neuj'jier der späteren Generationen zu einem Spief^el, in dem sich das Menschentum dieses Jahrhunderts in tausendfältigem Antlitz betrachten und prüfen läßt. Denn die Bildnisse von Menschen, gleichviel ob sie damals, als sie gemalt wurden, mit der Absicht objektiv ruhiger Wiedergabe einer Existenz geschaffen wurden oder ob sie mit dem Bewußtsein entstanden, die persönliche Deutung eines Menschendaseins zu geben — auf die Länge der Zeit sagen sie doch etwas Eindeutiges und Wesentliches aus über die Art des Menschen, der da Modell saß. Wenn die Unterschiede in den persönlichen Auffassungen der Künstler imd im gesellschaftlichen Stande des Dargestellten vor dem Überblick der Geschichte mit der Zeit ebenso unwesentlich geworden sind wie etwa die Verschiedenheiten in Mode, Tracht und Kostüm, dann kommt plötzlich hinter der verwirrenden Vielheit des Individuellen doch wieder der Mensch dieses Jahrhunderts heraus. Eine Bildnisgalerie verschweigt nichts. Und das Jahrhundert wird vor den Augen der Nachwelt am besten bestehen, in dem im Reiche der Kunst die Bildnismalerei als ein ernster, hoher Kunstzweig und nicht etwa als eine niedere Gattung der Kunst angesehen wurde. Wenn wir heute beispielsweise von der Kultur des bürgerlichen Holland des 17. Jahrhunderts, die doch immerhin nur eine wenn auch sehr glückliche Episode darstellte, so hoch denken, so wird dies nicht ziun geringsten der Tatsache verdankt, daß damals die Bildnismalerei eine Hochblüte erlebte. Wir kennen diese Männer und diese Frauen, einzeln sowohl wie in ihrem gesellschaftlichen Zusammensein, aus Tausenden von Bildern. Wir stehen unter dem Ein-
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