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Gerhard Fritsch - Das Buch vom Burgenland [antikvár]
 
Es gibt Länder, die langsam gewachsen sind, um einen zentralen Kern ge-sdilossene Kulturlandschaften, es gibt Länder mit willkürlichen Grenzen, aus einer konkreten politischen Konstellation entstanden, nach allen Seiten hin offen, Verlegenheitslösungen, die nur schwer bestehen können, weil ihnen oft die eigene Sinngebung fehlt. Jede historische Landkarte zeigt solche Gebilde, die früher oder später den Wechselfällen der Ereignisse, besser gesagt, den Machtverschiebungen der Interessenten, erlegen sind. Das Burgenland ist keine um...
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Es gibt Länder, die langsam gewachsen sind, um einen zentralen Kern ge-sdilossene Kulturlandschaften, es gibt Länder mit willkürlichen Grenzen, aus einer konkreten politischen Konstellation entstanden, nach allen Seiten hin offen, Verlegenheitslösungen, die nur schwer bestehen können, weil ihnen oft die eigene Sinngebung fehlt. Jede historische Landkarte zeigt solche Gebilde, die früher oder später den Wechselfällen der Ereignisse, besser gesagt, den Machtverschiebungen der Interessenten, erlegen sind. Das Burgenland ist keine um einen Kern gewachsene historische Landschaft, es ist ein Grenzgebiet, in dem sich die Grenzen oft verschoben haben, ein Durchzugsland ohne natürlichen Schutz, Einfallspforten hat es mehr als eine. Bis vor nicht einmal noch fünfzig Jahren westlichstes Gebiet des Königreiches Ungarn ist es seit 1921 östlichstes Gebiet der Republik Österreich. Das organische Zusammenwachsen zu einer Einheit braucht viel Zeit, es gehört zu den selten beachteten Wundern unserer Zeitgeschichte, daß dieses Burgenland in weniger als einem halben Jahrhundert zu einer solchen Einheit geworden ist. Dabei stand die Stunde seiner Geburt unter denkbar schlechten Sternen. Bei der Aufteilung der österreichisch-ungarischen Monarchie in ihre Nachfolgestaaten war der überwiegend deutsch bevölkerte Teil der vier ungarischen Komitate Preßburg, Wieselburg, ödenburg und Eisenburg, der keinerlei verwaltungsmäßigen Zusammenhang oder gar einen Schwerpunkt hatte, einer der vielen Zankäpfel, Slawischer Chauvinismus wollte das Gebiet zu einem Korridor zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien machen, Ungarn das Gebiet keinesfalls aufgeben, der größte Teil der Bewohner wollte zu Österreich. Der Streit um eine endgültige Entscheidung dauerte drei Jahre. Das zunächst Deutsch-Westungarn genannte Territorium bezeichnete sich als Vierburgenland, nach den Komitatsstädten, nicht etwa nach irgendwelchen tatsächlichen Burgen. Nach der Besetzung Preßburgs durch die Tschechen schlug Staatskanzler Dr. Renner den Namen Dreiburgenland vor. Als schließlich ödenburg, das sich am ehesten zur Hauptstadt des neuen Landes geeignet hätte, bei Ungarn verbleiben mußte, erhielt das neunte und jüngste Bundesland die endgültige Bezeichnung Burgenland, unter der es heute in der ganzen Welt bekannt ist. Abgesehen von der Grenzziehung, die einerseits mehr als ein Drittel der deutschsprachigen Bevölkerung Westungarns ausschloß und andererseits auf die Interessen des Großgrundbesitzes derart Rücksicht nahm, daß bei einem Grenz-

Termékadatok

Cím: Das Buch vom Burgenland [antikvár]
Szerző: Gerhard Fritsch
Kiadó: Belvedere Verlag Wilhelm Meissel
Kötés: Vászon
Méret: 210 mm x 240 mm
Gerhard Fritsch művei
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