Bővebb ismertető
Aus dem Vorwort zur amerikanischen ErstausgabeWährend die meisten Essays dieses Bandes im Laufe der letzten zehn Jahre geschrieben wurden, erschien >Die Entwicklung des Christusdogmas< bereits 1930 in deutscher Sprache . Ich hatte große Bedenken, diese frühe Arbeit erneut zu veröffentlichen. Die Gründe liegen auf der Hand.Zunächst, die Studie war zu einer Zeit geschrieben worden, als ich noch strenger Freudianer war. Inzwischen haben sich meine psychoanalytischen Auffassungen ziemlich gewandelt, so daß nicht wenige Formulierungen dieses Essays, wenn ich sie heute schriebe, anders aussehen würden. Ich habe in dieser Arbeit die gesellschaftliche Funktion der Religion als Ersatz für reale Befriedigung und als Mittel zu sozialer Kontrolle einseitig betont. Meine Ansichten in dieser Beziehung haben sich zwar nicht geändert, ich würde heute aber auch den Gesichtspunkt (den ich damals schon im Auge hatte) hervorheben, daß die Geschichte der Religion die Geschichte der geistigen Entwicklung des Menschen widerspiegelt. Ein zweiter Grund liegt in der Tatsache, daß es mir heute unmöglich ist, das ganze Material des analysierten, recht umfänglichen historischen Prozesses erneut zu durchforschen. Seit 1930 ist ja auch eine große Anzahl von Werken über die Geschichte des frühen Christentums erschienen, und eine Neubearbeitung des Beitrags >Die Entwicklung des Christusdogmas< hätte sie berücksichtigen müssen. Ich habe in den vergangenen Jahren vieles davon gelesen, und einiges, zum Beispiel Martin Werners >The Formation of Christian Dogma< (1957), scheint mir meine Vermutungen indirekt zu stützen; aber eine völlige Neufassung wäre über meine Kräfte gegangen . Soweit ich sehe, ist dies die erste Arbeit, die den Versuch unternahm, über die in der psychoanalytischen Literatur übliche psychologische Deutung historischer und sozialer Erscheinungen hinauszugehen. Angeregt hatte mich eine Schrift über dasselbe Thema, die einer meiner Lehrer am Psychoanalytischen Institut in Berlin, Dr. Theodor Reik, in der bisherigen Methode konzipiert hatte. Ich versuchte zu zeigen, daß wir die Menschen nicht aus ihren Ideen und Ideologien verstehen können, sondern daß wir Ideen und Ideologien nur verstehen kön-