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Urpariser: gibt es überhaupt Leute, auf die diese Bezeichnung paBt? Die Bevölkerung der Millionenstadt an der Seine besteht, wie die aller zeitgenÖssischen Metropolen, überwiegend aus Zugewanderten. Pariser, deren GroBváter schon hier geboren wurden, sind viel seltener, als man denkt. Immerhin, es gibt sie. Jean Effel ist einer von ihnen, Abkömmling von Abkömmlingen derer, die noch mit eigenen Augen die Bastille wanken sahen, vielleicht zu ihrem Wanken mit eigenen Hánden beitrugen. Mit solchem Hintergrund darf er füglich auf den Titel Urpariser Anspruch erheben. Allerdings, Parisertum bedeutet Unterschiedliches für unterschiedliche Leute. Die Klischees sind biliig, eben darum in vielen Köpfen festgesetzt: Lichterstadt, Boulevards voll eleganter Flaneure, im Gewimmel rauschender Cancanfeste das Lácheln rosig-frischer Midinetten, verführerischer Kokotten. Wesentlicher für ein wahres Bild sind manche künstlerischen Verkörperungen. Eine der schönsten findet sich in Victor Hugos Elenden: Grambert: Jean Effel Gavroche, der fröhlich-respektlose, illusionslos-optimistische, phrasenlos-tapfere Pariser StraBenjunge. Er ist es, Gavroche, an den man unwiderstehlich denken muB, sitzt man Jean Effel gegenüber: Sojungenhaft drahtig könnte Gavroche noch in vorgeschrittenen Jahren aussehen, so lebhaft könnten Bewegungen und Blick, von so natürlicher Herzlichkeit könnte das gesamte Wesen des Mannes sein, zu dem er herangewachsen wáre, hátte sein Leben nicht an einer Revolutionsbarrikade sein Ende gefunden, bevor es noch begann. Jean Eífel láBt die Gedankenverbindung, die ihn mit dem Pariser Proletarierkind aus Victor Hugos groBem Sozialgemálde in Zusammenhang bringt, nicht ungern gelten. Sie kommt seinem eigenen Lebensgefiihl entgegen. Höchstens findet er sie unverdient schmeichelhaft. Er hatte es námlich leichter als Gavroche, er ist nicht wie dieser im Elend aufgewachsen. Wenn einer seiner Vorfahren beim Bastillesturm mit Hand angelegt habén oder an Barrikadenkámpfen spáterer Revolutionen Maurice Henry: Jean Effel i beteiligt gewesen sein sollte, so hatte sich jedenfalls die Erinnerung daran in seinem Elternhaus gründlich verflüchtigt. Jean Effels Vater war ein ehrbarer, durch FleiB und Gunst der Umstánde wohlhabend gewordener, in konservativer Gesinnung fest ruhender Bürger, keineswegs erpicht auf den Nachweis einer Herkunft von irgendwelchen Aufrührern. Dem Pariser Kurzwarenfabrikanten Albert Lejeune wurde etwa zur Halbzeit zwischen Jahrhundertwende und Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Sohn geboren. Er nannte ihn Frangois. Mannbar geworden und in die Welt getreten, gab sich jedoch Francois Lejeune einen Namen eigener Wahl und eigener Machart, unter dem Peynet: Jean Effel