Bővebb ismertető
Einführung
WIE EIN ZEITALTER FRAGLICH WIRD
Auch grundstürzende Thesen können ganz harmlos beginnen. So dachte ich an nichts Böses, als im Oktober 1990 ein Freund aus Berlin anrief. Er war auf eine Formulierung gestoßen, die ihn nicht losließ. Der große Mediävist Horst Fuhrmann hatte 1986 auf dem Kongreß über Fälschungen im Mittelalter das Abschlußreferat gehalten. Titel: »Von der Wahrheit der Fälscher«. Dort beschäftigte er sich mit den allergrößten Fälschungen, die seine Fakultät kennt, und stellte fest: »Silvesterlegende mit Konstantinischer Schenkung, Symmachianische Fälschung, Pseudo-Clemens-Briefe, pseudoisidorische Fälschungen: Man mag es bei dieser Aufzählung bewenden lassen. Allen diesen Fälschungen ist eigentümlich, daß sie zur Zeit ihrer Entstehung kaum gewirkt haben. Sie hatten, von der Entstehungszeit her gesehen, antizipatorischen Charakter« [Fuhrmann 1988, 89; ähnlich 1996, 54].*
Vom Anruf zur These
Was konnte das heißen? Da waren Fälscher im 4., 5., 8. und 9. Jahrhundert zugange gewesen und hatten sich Texte ausgedacht, die keineswegs zu ihrem Entstehungszeitpunkt eingesetzt wurden, sondern sehr viel später, Jahrhunderte später. So geht die Silvesterlegende zur Taufe Konstantins auf das 4. Jahrhundert zurück, interessiert aber erst ab dem 8. Jahrhundert.
In Kursiv gesetzte Hervorhebungen in Zitaten stammen, sofern nicht aus-drückhch angegeben, von Heribert IlHg.