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In der Straße St. Honoré^ war das kleine Haus gelegen, welches Magdaleine von Scuderi^ bekannt durch ihre anmutigen Verse, durch die Gunst Ludwig des XIV. und der Maintenon-^, bewohnte.
Spät um Mitternacht - es mochte im Herbste des Jahres 1680 sein - wurde an dieses Haus hart und heftig angeschlagen, daß es im ganzen Flur laut widerhallte. - Baptiste, der in des Fräuleins kleinem Haushalt Koch, Bedienten und Türsteher zugleich vorstellte, war mit Erlaubnis seiner Herrschaft über Land gegangen zur Hochzeit seiner Schwester, und so kam es, daß die Martiniere, des Fräuleins Kammerfrau, allein im Hause noch wachte. Sie hörte die wiederholten Schläge, es fiel ihr ein, daß Baptiste fortgegangen und sie mit dem Fräulein ohne weitern Schutz im Hause geblieben sei; aller Frevel von Einbruch, Diebstahl und Mord, wie er jemals in Paris verübt worden, kam ihr in den Sinn, es wurde ihr gewiß, daß irgendein Haufen Meuter, von der Einsamkeit des Hauses unterrichtet, da draußen tobe und, eingelassen, ein böses Vorhaben gegen die Herrschaft ausführen wolle, und so blieb sie in ihrem Zimmer, zitternd und zagend und den Baptiste verwünschend samt seiner Schwester Hochzeit. Unterdessen donnerten die Schläge immer fort, und es war ihr, als rufe eine Stimme dazwischen: »So madit doch nur auf um Christus willen, so macht doch nur auf!« Endlich in steigender Angst ergriff die Martiniere schnell den Leuchter mit der brennenden Kerze und rannte hinaus auf den Flur; da vernahm sie ganz deutlich die Stim-
1. Straße in dem alten Stadtteil (la ville) rechts von der Seine.
2. Madeleine de Scudery (1607-1701) schrieb eine größere Reihe von Heldenromanen in jenem Stil, der in den tonangebenden Kreisen des damaligen Frankreichs üblich war. Die meisten ihrer Werke, sogenannte Sdilüsselromane, führen Personen ihrer Zeit unter antiker Maske ein.
3. Françoise d'Aubigné, Marquise von Maintenon (1635-1719), zuerst Gattin des Dichters Scarron, dann Mätresse und schließlidi Gemahlin Ludwigs XIV.