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VORBEMERKUNG
Wer den Versuch unternimmt, das Gebet des Herrn auszulegen, tritt in eine weit zurückreichesnde, erlauchte Reihe. Von den ersten Jahrhunderten an haben christliche Denker und Beter es unternommen, diesen reinsten Ausdruck der Innerlichkeit Christi auszuschöpfen. Sie haben gewußt, daß in jedem seiner Worte göttliche Reichtümer liegen; daß im Gefüge seiner Gedanken und im Gang seiner inneren Bewegungen die lautere Wesenshaltung christlichen Betens lebt; daß also, wer sich diesen heiligen Sätzen anvertraut, durch sie in jene christliche Wesenshaltung eingeformt wird — und so sich die Bitte erfüllt, auf welche Christus mit dem Vaterunser geantwortet hat: „Herr, lehre uns beten!" Auch wir wollen versuchen, diesen heiligen Inbegriff aufzuschließen und auszulegen. Die Großen vor uns mahnen uns ziu" Bescheidenheit. Aber die Worte der Offenbarung rufen jede Zeit in ihren Dienst. Daß eine frühere Großes gesagt hat, enthebt die unsere nicht der Pflicht, das Ihre zu tun. Und in einem Augenblick, da wir so Vieles wanken fühlen bis in den Grund, haben wir alle Ursache, zum Herzraum der christlichen Wirklichkeit hinzutasten, wo die stille Allmacht der Erlösung waltet.