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Exordium
Im Mittelalter und der Renaissance verstand man in Europa noch, die uralten Symbole und Zeichen zu deuten. Die Menschen wussten, wie ein Kapitel, das Detail in einem Gemälde oder auch ein einfaches Wegzeichen zu verstehen waren. Und dies, obwohl die meisten damals weder lesen noch schreiben konnten.
Mit der Entdeckung der Vernunft ging diese Fähigkeit verloren und mit ihr das reiche Wissen unserer Vorfahren.
In dieses Buch wurden viele der Symbole von einst eingeflochten. Unsere Deutungsfähigkeit soll neu geweckt und altes Wissen bewahrt werden.
Noch nie stand ich vor einer so schwierigen und rätselhaften Aufgabe wie zu Neujahr 1497. Im Vatikan verfolgten wir aufmerksam die traurigen Vorgänge am Hofe von Ludovico il Moro.
Damals war die Welt ein unwirtlicher und unzuverlässiger Ort. Aus dem Orient strömten neue Ideen in die westliche Welt und drohten, unsere ein-tausendfünfhundertjährige Tradition in einer Hölle aus Treibsand untergehen zu lassen. Piatons Griechenland, das Ägypten Kleopatras oder Marco Polos extravagantes Reich der Mitte sollten plötzlich weitaus mehr gelten als unsere auf die Bibel zurückgehende Kultur.
Das Christentum stand im Zeichen des Aufruhrs. Der aus Spanien stammende Papst Alessandro VI., ein skrupelloser Machtmensch, hatte die Tiara im letzten Konklave einfach erkauft. Nun schacherte er dreist und unverhohlen mit Kirchenämtern. Während der Pontifex Geschäfte machte, huldigten die weltlichen Herrscher dem schönen Schein. Im östlichen Mittelmeerraum aber rüsteten die Türken auf und bedrohten unsere Religion. In unserer langen Geschichte war der Gottesglaube noch nie so schutzlos gewesen.
Turbulente Zeiten - auch für mich, den Diener