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Kapitel
1
Das chinesische Restaurant von Yeh Ling lag am düstersten Ende der >Heulenden Wüste<, wie die Bennet Street genannt wurde. Diese Bezeichnung war sehr zutreffend, denn die Bennet Street heulte am Tag, und sie heulte noch viel schriller in der Nacht. Sie war der Tummelplatz der zahlreichen Nachkommenschaft dieser Gegend, und nicht selten wurde sie zum Schauplatz der verschiedenartigsten Blutfehden ihrer Bewohner.
Der Besitzer des Restaurants kaufte im Lauf der Zeit die angrenzenden Häuser, eines nach dem andern, hinzu. So rückte seine Häuserzeile den >Hellen Lichtern< immer näher, bis sie schließlich bei der breiten Hauptstraße mit den strahlenden Theaterfassaden anlangte. Im letzten Haus der Reihe richtete der melancholisch aussehende Yeh Ling das neue, vornehme Restaurant mit den italienischen Kellnern ein, dem der bewährte, freundliche Geschäftsführer Signor Maciduino vorstand. Der vergoldeten und weithin sichtbaren Dachziegel wegen wurde es >Das Goldene Dach< genannt. Die Räumlichkeiten waren mit Rosenholz getäfelt, die Lampen mit Seide abgeschirmt. Ein luxuriöser Fahrstuhl brachte die Gäste in den ersten und zweiten Stock, wo sich die Privatspeisezimmer befanden, deren Türen Einsätze aus geschliffenem Glas aufwiesen und mit durchsichtigen Vorhängen versehen waren.
Gewisse Zimmer besaßen keine Glastüren, und man vergab sie nur sehr vorsichtig. In eines von ihnen wurden überhaupt keine Gäste eingelassen. Es war Zimmer Nr. 6, am Ende eines Korridors und neben der Tür zu einer Hintertreppe gelegen, über die man entweder direkt die Straße erreichen oder weiter durch ein Labyrinth verwinkelter Gänge zum alten Restaurant in der Bennet Street gelangen konnte, in dem sich seit Yeh Lings schweren Tagen nichts verändert hatte. Männer und Frauen kamen hierher, um seltsame chinesische Gerichte zu essen, die ihnen lautlose Kellner aus Han-Kow, Yeh Lings heimatlicher Provinz, vorsetzten.
Die Gäste des alten Restaurants bedauerten den wachsenden Reichtum Yeh Lings und spöttelten über seine gut gekleideten Kunden. Die vornehmen Gäste dagegen hatten größtenteils keine
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