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DER GUTE TON -DAS A UND O DER LEBENSKUNST
Es gibt eine Höflichkeit des Henens: sie ist der Liehe verwandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des äußern Betragens. (Goethe)
Gepflegte Umgangsformen auch in unserer Zeit
Guter Ton im Atomzeitalter? Umgangsformen in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs, im Zeitalter der Enthüllung der letzten Naturgeheimnisse? Haben die altüberlieferten Gesetze des Anstandes, die jahrhundertealten Traditionen der Etikette heute noch einen wahren Sinn? Oder sind sie nicht weggeschwemmt durch die reißende Flut des modernen Lebens, das die festgefügte soziale Ordnung unserer Väter gelodcert, die Vorurteile einer bezopften Zeit richtiggestellt und die Welt durch Technik umgemodelt hat?
Oder gehören die guten Sitten zum ehernen Bestand des Mensdilichen, zum unvergänglichen Gefüge unserer ethischen Welt, ohne die wir uns kein Leben auf höherer Stufe vorzustellen vermögen?
Der ersten Auffassung kann nur zuneigen, wer ob äußeren Wandlungen vergißt, daß Anstand und Sittlichkeit selbst im scheinbar völligen Wandel standgehalten haben, ja, daß ohne sie der Homo sapiens unweigerlich wieder in den Zustand der ungeregelten Wildheit verfallen wäre. Vieles hat sich geändert — und doch essen wir immer noch gemeinsam an gedeckten Tischen, nennen wir die Familie die Keimzelle jeder Gemeinschaft, halten wir die Heiligkeit des Privatlebens und des Privateigentums hoch, fügen wir uns der Ordnung staatlicher und sozialer Absprachen, streben und hoffen wir, leben und glauben wir, denken und studieren wir, beten und bangen wir.
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