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Éri Gyöngyi - Das goldene Zeitalter [antikvár]
 
Vom Millennium zur Räterepublik Iván T. Berend Zum Ende des vorigen Jahrhunderts war das offizielle Ungarn von einer euphorischen Selbstzufriedenheit des Millenniums durchdrungen. Und man hatte auch Grund zum Feiern. Da waren nicht nur die tausendjährige Geschichte des Ungartums, die historische Wende der Landnahme und des Seßhaftwerdens im Karpatenbecken nach einer im dunkeln liegenden und mit Mythen verwobenen Vorgeschichte nomadischer Vergangenheit. Die pompösen Feierlichkeiten galten in gleichem Maße der Franz-Jo-seph-Epoche,...
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Vom Millennium zur Räterepublik Iván T. Berend Zum Ende des vorigen Jahrhunderts war das offizielle Ungarn von einer euphorischen Selbstzufriedenheit des Millenniums durchdrungen. Und man hatte auch Grund zum Feiern. Da waren nicht nur die tausendjährige Geschichte des Ungartums, die historische Wende der Landnahme und des Seßhaftwerdens im Karpatenbecken nach einer im dunkeln liegenden und mit Mythen verwobenen Vorgeschichte nomadischer Vergangenheit. Die pompösen Feierlichkeiten galten in gleichem Maße der Franz-Jo-seph-Epoche, insbesondere den Erfolgen der dreißig Jahre nach dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn. All das, wovon István Széchenyi, der bedeutende Reformer der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, geträumt hatte und was er mit unglaublichem Fleiß und Diplomatie, mit einer die Nation wachrüttelnden Aufklärung, mit Selbstaufopferung und konzeptionellen Plänen in Gang gesetzt hatte, wurde jetzt verwirklicht. Von der Jahrhundertwende bis 1913 wurden annähernd dreimal so viele Eisenbahnstrek-ken gebaut wie im Zeitraum von 1846 bis 1867 (die landwirtschaftliche Produktion stieg etwa im gleichen Maße wie in den Jahren 1867 bis 1900), die Industrie wiederum faßte erst jetzt richtig Fuß, und es wurden größere Kapazitäten errichtet als in den ganzen fünfzig Jahren zuvor. Das Land war erfüllt von einem Optimismus der Modernisierung, der jeden Tag neue Ergebnisse zeitigte, und von dem Bewußtsein, daß die Entwicklung in die entsprechende Richtung ging. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Pest-Vác im Jahre 1846 - ein Symbol der modernen Zeit - und der Plan Széchenyis und Kossuths, das ganze Land mit einem Eisenbahnnetz zu überziehen, gehörten noch in das Kapitel der Reformzeit, in der mehr geplant als verwirklicht wurde. 1867 verbanden dann aber bereits rund zweitausend Kilometer Eisenbahnschiene die Zentren der Weizenproduktion in Südungarn und die Gegenden der Viehzucht im Osten jenseits der Theiß mit Pest und Pest mit Wien. 1900 gab es bereits siebzehntausend Kilometer und 1913 annähernd dreiundzwanzigtausend Kilometer Schienenstrang. Im Verhältnis zum Landesterritorium und zur Bevölkerungszahl nahm Ungarn mit seiner Eisenbahndichte in Europa den vornehmen sechsten Platz ein und hatte damit England und auch Österreich überholt. Das war eine wahre Spitzenleistung. Und während in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für den Streckenbau, angefangen von den Schienen über die Lokomitiven bis hin zum investierten Kapital und Fach- wissen, sozusagen noch alles aus dem Ausland beschafft werden mußte, stand das immer imposantere ungarische Eisenbahnsystem in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts auf eigenen Füßen. Die unter Führung von Gábor Baross durchgeführten Verstaatlichungen brachten ein einheitliches Eisenbahnsystem. Die Eisenbahn war etwas ganz Besonderes. Sie symbolisierte das voranstürmende Zeitalter, Poeten rühmten sie in ihren Gedichten, und Maler hielten sie auf der Leinwand als Verkörperung des Aufschwungs, des Fortschritts und der alle Stagnation besiegenden Geschwindigkeit fest. Die Eisenbahn war aber nicht als rein symbolischer Wert, sondern als eine wirkliche Triebkraft des allgemeinen Aufschwungs anzusehen. Sie schuf eine Verbindung zu den früher isolierten Gegenden und brachte sie mit einem Schlag den Märkten der westeuropäischen Gebiete näher, wo mit einer schnellen Industrialisierung der Verbrauch immer mehr zunahm. Die Eisenbahn öffnete der Landwirtschaft den Weg zu einer unvergleichlichen Entwicklung. Dazu war natürlich noch mehr erforderlich, und zwar eine Stimulierung der uneingeschränkten Marktmöglichkeiten, und dazu kam es auch, denn durch das vor allem nach 1867 ebenfalls scheinbar uneingeschränkt nach Ungarn fließende österreichisch-deutsche und teils französiche Kapital erhielt die Landwirtschaft Kredite. Unter den ersten Großbanken, die von ausländischen Finanzgruppen gegründet wurden, finden wir nicht zufällig das Bodenkreditinstitut und später die Hypothekenbank. Was Széchenyi 1830 als Grundbedingung für eine moderne Umgestaltung erkannt und zum Titel seines Buches - einer Darlegung der Konzeption für den Anschluß Ungarns an die westliche Welt - gemacht hatte, der Kredit, floß den Grundbesitzern jetzt reichlich zu. Nicht nur die ausländischen Finanzgruppen und Wiener Bankhäuser, sondern auch ungarische Geldinstitute, die nach 1867 geradezu wie Pilze aus der Erde schössen, überzogen das Land. In den Arterien der Wiener und Budapester Bankhäuser floß das Gold, das die Wirtschaft am Leben hielt, die feinen Kapillargefäße der vielen tausend Sparkassen und Kreditgenossenschaften, die fast in jedem Häuserblock der Hauptstadt und allen Provinzkleinstädten zu finden waren, transportierten es weiter, und letztere waren als einzelne kleine Geldinstitute zugleich das Sammelbecken für die im Lande aufzutreibenden kleinen Geldsummen und Ersparnisse der Bevölkerung, so daß sie

Termékadatok

Cím: Das goldene Zeitalter [antikvár]
Szerző: Éri Gyöngyi , Gyöngyi Éri , Jobbágyi Zsuzsanna Zsuzsanna Jobbágyi
Kiadó: Corvina
Kötés: Vászon
ISBN: 963132981X
Méret: 240 mm x 310 mm
Éri Gyöngyi művei
Gyöngyi Éri művei
Jobbágyi Zsuzsanna művei
Zsuzsanna Jobbágyi művei
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