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EINLEITUNG
Was heute unter Antiquitäten verstanden wird, zeigt dieses Buch. Man bezeichnet damit gemeinhin Altertümer oder, präziser, Werke der angewandten Kunst, die alt sind. Wenn wir einmal davon absehen, daß der Staat hierzulande diesem Wort einen anderen Sinn unterlegt, so nennt jedenfalls der Sammler kunstgewerblicher Altertümer diese „Antiquitäten". Es scheint also, als ob die Sammler bestimmten, was eine Antiquität zu sein hat. Sie sind es, die uns ins Bewußtsein heben, was wir darunter verstehen müssen. Erst aus dem Zwiegespräch zwischen Sammler und Kunstwerk erfahren wir vom Wesen der Antiquität. Der Sammler äußert sich darüber durch seine Wahl, deren Ergebnis er uns vorführt: das alte Kunstwerk, das er für wichtig oder bedeutend, schön oder interessant hält. Wir | nennen nicht den einen Sammler, der Einzelnes gedankenlos anhäuft, sondern jenen, der planvoll zusammenträgt. Wer so sammelt, sucht im Kunstwerk die ihm eigenen äußeren Merkmale, seinen spezifischen Stil, die Geschichte seiner Herkunft und die seines Entstehens. Ein Sammler ist zugleich ein Forscher, der Neuland entdeckt, und sei es zunächst für sich selbst. Er ist aber auch von leidenschaftlichem Begehren erfüllt. Er muß den Gegenstand seines Sehnens besitzen, und auf der Suche danach wird er zum Jäger, der nach langen Mühen ein seltenes Wild erlegt und wie eine Trophäe nach Hause trägt. Ein Sammler ist aber auch ein Gelehrter, der sich die Mühe des Lesens und des Studierens macht, um zu erfahren, was die Dinge seiner Sammlung ihm auf den ersten Blick verschließen. Sammler und Antiquität — die eine besteht nicht ohne den anderen. Die Antiquität erklärt sich nicht ohne die Äußerung des Menschen, mit der er sie aus ihrer Anonymität erlöst. Und wie wir in der Antiquität ihre