Bővebb ismertető
Grußwort der DirektorenBernard Schultze gehört seit Jahrzehnten zu den großen Malern der deutschen Kunstszene. Nach der unheilvollen Zeit des Nationalsozialismus, die mit einer Abschottung gegenüber den internationalen, avantgardistischen Kunstströmungen einhergegangen war, galt es für die damals junge Generation von Künstlern im Nach-kriegsdeutschland, eine IJberlebensstrategie zu entwickeln, nach neuen Möglichkeiten der Ich-Findung und der eigenen Identität zu suchen. Wie kaum ein anderer hat Bernard Schultze damals die Herausforderung angenommen und einen ganz persönlichen, eigenen Stil geschaffen, der ihn unverwechselbar zu einer der Hauptfiguren des deutschen Informel werden ließ. Ein wichtiger Faktor war dabei sein stetes Interesse, über die Grenzen des eigenen Landes zu schauen, auch andersartige kulturelle Äußerungen aufzunehmen. Bei Bernard Schultze war es vor allem die französische Kultur, die er eingehend studierte und in der er sich in besonderem Maße heimisch fühlte. So ist die erste Anerkennung deutscher Kunst im Ausland seit 1945 schließlich maßgeblich mit dem Namen Bernard Schultze verknüpft.Folgerichtig entwickelte er in den Jahrzehnten danach ein reiches Ouvre, in dem er immer neu auf die Herausforderungen der jeweiligen Kunstszene antwortete und gelegentlich auch Elemente übernahm - wie aus der Pop Art - , wobei jedoch stets die ureigene künstlerische Denkweise und Handschrift die maßgebende Basis schuf. Der Vorstoß von der Malerei zur dritten Dimension, den er nach und nach mit den >Migofs< vollzog, ist ein fortwährendes Abenteuer, in dem oft auch der Zufall eine Rolle spielt. Von enormer Bedeutung war für den Künstler stets auch die Einbindung in die Tradition deutscher Malerei seit Altdorfer und Grünewald, die ein ganz eigenes Echo in seiner Kunst hinterließ. Daß Bernard Schultze sein reiches kunsthistorisches Bildgedächtnis dabei jedoch nie kalkuliert einsetzt, sondern seine Malerei sich weitgehend unter dem Diktat des Unbewußten spontan entwickeln läßt, betont er stets mit Nachdruck: Sich treiben lassen, wohin das Bild will, soviel wie möglich dem Zufall überlassen, sowenig wie möglich der Kontrolle; die Kunstgeschichte zum Steinbruch erklären, und was man gebrauchen kann, bricht man sich heraus. Letzten Endes steht man als Fremdling vor seinem Bild.Gründe, um Bernard Schultze mit einer Ausstellung zu ehren, gibt es wahrhaftig genug. Uns beschäftigte vor allem ein weiterer Gesichtspunkt, der in den letzten Jahren in seiner künstlerischen Leistung immer deutlicher wurde: Das Spätwerk des Malers wartet mit einem solchen Feuerwerk an Einfällen, explodierenden Farben, Kraft und Vitalität in riesigen Formaten auf, daß es in einer großen Einzelausstellung gewürdigt und einem breiten Publikum vorgestellt werden muß. Dieser Teil seines Ouvres war bisher nämlich so gut wie unbekannt, da die letzte umfassende Ausstellung von Bernard Schultze - eine Retrospektive, die unter anderem in Düsseldorf und Berlin gezeigt wurde - bereits fünfzehn Jahre zurückliegt.Bis jetzt waren die riesigen Formate der achtziger und neunziger Jahre fast ausschließlich einem Kreis von Sammlern und Museumsleuten bekannt. Schultze selbst hat viele seiner Diptychen und Triptychen nie in ihrer Gesamtwirkung erlebt.