Bővebb ismertető
W ¦ ¦ IE SAH das Leben vor zwanzigtausend Jah-I M ¦ ran aus, als die Menschen den Ackerbau, die Errichtung fester Behausungen und die Zähmung von Tieren noch nicht kannten? An einer Stelle der Erde ist es noch möghch, Einblick in jene längstvergangenen Zeiten zu bekommen: in der Kalahari, einer Steppe, die sich durch den Norden der Südafrikanischen Repubhk und durch Teile von Südwestafrika, Botswana, Rhodesien und Angola hinzieht. Dies ist die Heimat des südafrikarü-schen Buschmanns.
Die Herkunft dieser zähen kleinen Menschen - sie werden meist nur 1,50 Meter und wiegen selten mehr als 45 Kilo - ist ungeklärt. Sie sind nicht mit den afrikanischen Negervölkern verwandt, sondern stammen möghcherweise von mongohschen Nomaden ab, die Tausende von Kilometern fem der Heimat umherstreiften. Bei der Geburt haben die Kinder eine gelbe Hautfarbe, die später rötlichbraun wird. Wie die Mongolen haben sie eine platte Nase, breite Backenknochen und Schhtzaugen. Am Ende der Wirbelsäule findet sich eine kleine dvmkle Stelle, der „Mongolenfleck". Sie sprechen eine seltsame Schnalzsprache, bei der die Mitlaute durch ein Schnalzen der Zunge am Gaumen gebildet werden. Das klingt ein wenig wie Chinesisch.
Einst war ganz Afrika ihre Heimat. Mit der Zeit jedoch wurden die Buschmänner von den weißen Siedlern im Süden und den schwarzen Bantus im Norden verdrängt und in die Kalahari getrieben, wo sonst keiner sein Leben fristen konnte. Heute gibt es nur noch etwa fünfzehntausend Buschmänner.
Damit wir uns ein Büd vom Leben unserer fernen Vorfahren machen kötmen, wollen wir einmal den Tageslauf eines Buschmaims verfolgen. Tutei ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, aber Wind und Wetter haben seine Haut so gegerbt, daß er aussieht wie ein alter Mann. An einem Sommertag verläßt er kurz nach Anbruch der Morgendämmerung kriechend seine winzige, aus Gras und Zweigen errichtete Hütte, wo er in einer grasgepolsterten Mulde geschlafen hat. Für Tutei und die übrigen neunundfünfzig Männer seines Stammes muß das Tagewerk beendet sein, ehe die Temperatur gegen Mittag bis auf 55 Grad im Schatten steigt. Daim ruht die Arbeit, und jeder verzieht sich in den Schatten eines Busches oder eines Kameldorns.
Die Buschmänner leben in großer Eintracht zusammen. Sie brauchen keinen Häuptling, denn jeder einzelne ist von klein auf zu Verantwortungsbewußtsein erzogen worden. Habsucht kennen sie nicht.
Die Nahrung wird geteilt und der persönliche Besitz möglichst klein gehalten, da der Stamm immer auf Wanderschaft ist. Es gibt kaum Streit; herrschsüchtige Erwachsene und ungezogene Kinder werden einfach nicht beachtet. Nach ein paar Tagen solcher Behandlung bessert sich in der Regel ihr Benehmen.
Bei den Buschmärmem, die selten älter als fünfundvierzig Jahre werden, liebt und verehrt man die Alten wegen ihrer Weisheit. Doch der Stamm kann nur leben, solange er umherzieht. Wenn ein Alter zu schwach wird, um weiterzuwandem, läßt man ihn in einer kleinen Hütte zurück. Man gibt ihm so viel Nahrung und Wasser, wie sich erübrigen läßt, und ohne Vorwürfe imd traurige Abschiedsszenen trennt man sich. Der alte Mann weiß, sobald er stirbt, wird er zum Mond emporgetragen, der hohl ist und in dessen Irmerem seine Vorfahren versammelt sind.
Bis zu diesem Tag jedoch führen alle, die zum Jagen zu alt sind, ein geschäftiges und nützhches Leben und helfen den Eltern bei der Erziehung der Kinder. Noch vor seinem zehnten Lebensjahr weiß ein Mädchen, wie man in einer Wüste Wasser entdeckt und wilde KnoUen findet. Die Großmutter bringt ihr bei, kostbare Wassertropfen durch ein hohles Schilfrohr anzusaugen, in leere Straußeneierschalen zu füllen und die Schalen an verschiedenen Stellen der Wüste zu vergraben - für später, werm einmal ein Mundvoll Wasser über Leben oder Tod entscheidet. Unterdessen zeigen die Großväter den Jungen, wie man Schlingen knüpft für Vögel und Hasen, wie man sie mit süßem Gummisaft ardockt, wie man Bogen aus Holz und Tiersehnen und Pfeüe aus Schilfrohr herstellt.
Wenn sich Tutei zu seinem Tagewerk erhebt, fällt sein Blick auf Bhau, seine Frau. Er hat sie nicht um ihrer Schönheit willen geheiratet, sondern deshalb, weil sie gut arbeiten kann. Schon als kleines Mädchen hatte er sie beobachtet, weim sie auf Nahrungssuche ging. Er bewunderte ihre Geschickhchkeit mit dem Grabstock und hatte Achtung vor den Mengen Nahrung, die sie mitbrachte: wilde Melonen, Feigen, Gurken, Kartoffeln, Beeren.
Nach dem Frühstück, das aus Melonen und ein paar kleinen Eidechsen besteht, legt Tutei seine Jagdausrüstung zurecht. In seinem kleinen Köcher aus Rinde stecken fünf Pfeile. Sein Großvater hätte sie noch mit Knochenspitzen versehen, aber Tutei benutzt dazu schon Eisendraht, den er vom Weide-zaim eines Bantuhirten gestohlen hat. Die Pfeilspitzen sind mit Gift aus Käferlarven bestrichen.