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Von mir über michKein Ding sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch^ dieser lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe. Und auch abgesehen von den Kapriolen und Masken der Eitelkeit. Immer, wenn man was wissen will, muß man sich auf die zweifelhafte Dienersdiaft des Kopfes imd der Köpfe verlassen und erfährt nie recht, was passiert ist. Wer ist heutigen Tages noch so harmlos, daß er Weltgeschichten und Biographien für richtig hält? Sie gleidien den Sagen und Anekdoten, die Namen, Zeit und Ort benennen, um sidi glaubhaft zu machen. Sind sie unterhaltlidi erzählt, sind sie ermunternd und lehrreich oder rührend und erbaulich, nun gut! So wollen wir's gelten lassen. Ist man aber nicht grad ein Professor der Beredsamkeit imd sonst noch allerlei, was der heilige Augustinus gewesen, und will doch partout über sidi selbst was schreiben, dann wird man wohl am besten tun, man faßt sidi kurz. Und so audi ich.Idi bin geboren im April 1832 zu Wiedensahl als der erste von sieben.Mein Vater war Krämer, heiter und arbeitsfroh; meine Mutter, still imd fromm, schaffte fleißig in Haus und Garten. Liebe und Strenge sowohl, die mir von ihnen zuteil geworden, hat der Sdilafittig" der Zeit aus meiner dankbaren Erinnerung rüdit zu verwischen vermocht.Als ich neun Jahre alt war, sollte idi zu dem Bruder meiner Mutter nadi Ebergötzen. Wie Kinder sind, halb froh, halb weh= mütig, plätsdierte ich am Abend vor der Abreise mit der Hand in der Regentonne, über die ein Strauch von weißen Rosen hing, und sang Christine! Christine! versimpelt für mich hin.Gleich am Tage nach der Ankunft schloß ich Freundschaft mit dem Sohne des Müllers. Wir gingen vors Dorf hinaus, um zu baden. Wir machten eine Mudde aus Erde und Wasser, die wir Peter und Paul" benannten, überkleisterten uns damit von oben bis imten, legten uns in die Sorme, bis wir inkrustiert waren wie Pasteten, und spülten's im Bach wieder ab.Audi der Wirt des Ortes, weil er ein Piano besaß, wurde bald mein guter Bekannter. Er war rauh wie Esau. Ununterbrochen krcdi das schwarze Haar in die Krawatte und aus den Ärmeln wieder heraus bis didit an die Fingernägel. Beim Rasieren mußte er weinen, deim das Jahr 48, weldies selbst den widerspenstigsten Barten die Freiheit gab, war noch nicht erschienen. Bei ihm fand einen dicken Notenband, der durdigeklimpert, und frei= religiöse Sdiriften jener Zeit, die begierig versdilungen wurden.Etwa ums Jahr 45 bezogen wir die Pfarre zu Lüethorst.Unter meinem Fenster murmelte der Bad. Gegenüber stand ein Haus, eine Schaubühne des ehelichen Zwistes. Das Stüde fing an hinter der Szene, spielte weiter auf dem Flur und sdiloß im Freien. Sie stand oben vor der Tür und sdiwang triumphierend den Reiserbesen; er stand unten im Bach und streckte die Zunge heraus; und so hatte er auch seinen Triumph.Sedizehn Jahre alt, ausgerüstet mit einem Sonett und einer ungefähren Kenntnis der vier Grundredmungsarten, erhielt idi Einlaß zur polytechiüsdien Schule in Hannover.In der reinen Mathematik schwang ich mich bis zu Eins mit Auszeichnung" empor, aber in der angewandten bewegte ich midi mit immer matterem Flügelsdilage.Im Jahre 48 trug auch idi mein gewiditiges Kuhbein, weldies nie scharf geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Raudiens und des Biertrinkens; zwei Märzerrungensdiaften, deren erste mutig bewahrt, deren zweite durdi die Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist.Ein Maler wies mir den Weg nach Düsseldorf. Ich kam, soviel ich weiß, grad zu einem jener Frühlings fest?, für diesmal die Erstürmung einer Burg, die weithin berühmt waren. Idi war sehr begeistert davon und von dem Maiwein auch.Nachdem ich mich schlecht und recht durch den Antikensaal hindurchgetüpfelt hatte, begab ich mich nach Antwerpen in die Malsdiule, wo man, so hieß es, die alte Muttersprache der Kunst noch immer erlernen könnte.In dieser kunstberühmten Stadt sah ich zum ersten Male die Werke alter Meister: Rubens, Brouwer, Teniers, Frans Hals. Ihre göttliche Leichtigkeit der Darstellung malerisdter Einfälle, ver= bunden mit stofflich juwelenhaftem Reiz; diese Unbefangenheit eines guten Gewissens, welches nidits zu vertuschen braucht; diese Farbenmusik, worin man alle Stimmen klar durchhört, vom Grundbaß herauf, haben für immer meine Liebe und Bewunde= rung gewormen.Nach Antwerpen hielt ich mich in der Heimat auf.Von Wiedensahl aus besuchte ich auf längere Zeit den Onkel in Lüethorst. Ein Liebhabertheater im benachbarten Städtdien zog mich in den angenehmen Kreis seiner Tätigkeit; aber mehr noch fesselte mich das wimdersame Leben des Bienenvolkes und der damals wogende Kampf um die Parthenogenesis, den mein Onkel als gewandter Schriftsteller und Beobachter entscheidend nüt durchfocht. Der Wunsch und Plan, nach Brasilien auszu=