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Die Schwierigkeit, die hellenistische Kunst in ihren ursprünglichen Erscheinungen zu erfassen und die gemeinsamen Wesenszüge in ihren vielfältigen künstlerischen oder geographischen Ausdrucksmöglichkeiten zu bestimmen, ist so groß, daß die Bezeichnung für diese Epoche nicht immer die gleiche ist, denn für die einen bedeutet sie das Griechentum im weitesten Sinne, und für die anderen beschränkt sie sich auf den eigentlichen Hellenismus.
Obwohl die hellenistischen, vom Ende des 4. bis zur Mitte des 1 .Jahrhunderts v. Chr. entstandenen Kunstwerke durch die Funde in Italien und in Rom den Künstlern und Gelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts die griechische Kunst nahegebracht haben, sind sie oft unbegreiflich, unerklärlich und in Stil und Ausdruck schwer zu interpretieren. Zunächst weil zu viele Werke anonym bleiben, die Originale selbst unbekannt sind - vor allem in der Malerei -, wenn es auch zahlreiche handwerkliche Kopien, Repliken und Nachahmungen gibt. Zwei oder mehrere, sogar qualitätvolle Kopien eines Meisterwerks können kein signiertes Original ersetzen, das die Persönlichkeit des Künstlers erfassen läßt.
Darüber hinaus verlagern, vervielfältigen und variieren sich die Kunstzentren, während sich in neuen Gebieten der antiken Welt eine einheitliche Kultur entwickelt, deren Sprache, Geisteswelt und Kunst die Grundlage äußerst verschiedenartiger ethnischer, politischer und administrativer Gegebenheiten bilden. Die Werkstätten von Pergamon sind durch datierte und signierte Werke gut bekannt, die von Alexandria oder Rhodos dagegen haben zu wenige gesicherte Werke hinterlassen, als daß sich ihre Eigenständigkeit erfassen oder ihr Beitrag zum Gemeingut erkennen Heße.
Jedoch gerade durch ihre Geheimnisse und Unsicherheiten übt die hellenistische Kunst eine besondere Anziehungskraft aus, denn sie hat das Erbe verarbeitet, das die griechische Welt dem Abendland vermachte, und einige Kunstströmungen des Vorderen Orients stark beeinfltißt, die der Kultur des Islam den Weg bereitet haben.
Trotz ihrer Mannigfaltigkeit entbehrt sie nicht einer inneren Einheit. Die klassische Kunst war gänzlich vom Leben der polis und der politischen Gemeinschaften, die sich in diesem fest um-rissenen Rahmen entfalteten, bestimmt und inspiriert worden. Die politischen Veränderungen und Entwicklungen, die die griechische Welt in der hellenistischen Periode erfuhr, haben aus ihr eine individuellere Kunst gemacht - allein der Werdegang der Porträtplastik bezeugt dies die sich den hellenistischen Königtümern anbot. Das Griechenland der Herrscher hat die Entwicklung einer prunkvollen Kunst begünstigt.
Es gab jedoch keinen plötzlichen Bruch; die Vorbereitung währte lange, und die Übergänge waren gleitend. Seit der Mitte des 4. Jahrhunderts sind in den noch klassischen Werken die Anklänge neuer Bestrebungen spürbar, manchmal in einem einzigen Denkmal wie in den Friesen des MaussoUeion von Halikarnassos, dessen Gestaltung vier Bildhauern von sehr unterschiedlicher Persönlichkeit anvertraut war, oder auch bei einem einzigen Künstler; das Werk Lysipps ist schon stark durch die Bemühungen gekennzeichnet, die das darauffolgende Jahrhundert bestimmen sollten.
Diese Repräsentationskunst, die häufig Ruhm und Prestige der Fürsten zum Ausdruck bringen sollte, vergrößert - in der Plastik wie in der Architektur - Volumen und Proportionen; sie be-
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